151
Erster Eindruck Roms.
Sicilien und Neapel. Tagebuch einer Reise während des Winters 1853 bis -I85i im Gefolge Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Georg, Herzogs zu Sachsen, von l)r. Albert Gustav Carus. Würzen, Vcrlags- comptoir. —
Von diesem interessanten und gut geschriebenen Buch werden wir unsern Lesern am besten dadurch eine Vorstellung geben, daß wir ein Fragment daraus mittheilen. — Die Reisenden sind in Civitavecchia ausgcstiegen und setzen ihren Weg nach Rom zu Wagen fort. „Längs des herrlich brandenden, tief dunkelbauen Meeres, das durch die verschiedensten Fischerkähne sehr belebt war, fuhren wir hin, die Aloes, Feigencactus, Oleander, Lorbeer und Buchsbaum werden schon häufig, bei Marinolo begrüßen wir die erste Palme, wie schlank erhebt sich neben einem alten Wartthurm am Meere dieser prächtige Wuchs, wie winken uns die mächtigen Blätter glückliche Reise zu, dann bei St. Severo daö malerisch alte Castell, die alten verfallenen Brücken, die großen Heerden der langhaarigen weißen Ziegen, in den mit leichtem Zaun eingefaßten Feldern die prächtigen weißgrauen Stiere, von alten Hirten und treuen großen Hunden bewacht; große Raubvögel schweben in Menge über dieser Oede, in der man nur selten ein Wohnhaus sieht, dann wieder große Pferdeheerden, blühende wilde Rosenhecken, alles so eine ganz andre Gegend und Landschaft. Bei Palo, einer großen befestigten Kaserne der Franzosen, ist Poststation, und da ging man auf der ziemlich breiten Straße buchstäblich in Düngerhausen, um aus der miscrabeln Locanda ein Glas Wasser zu erlangen. Nun verläßt man daS Meer, fährt durch bebautes Ackerland, wo überall Trümmer alten Gemäuers hervorragen, gelangt dann in die eigentliche römische Campagna, ein wellenförmiges Terrain, zwischen immergrünen Eichen, Buchen, Haselgcstrciuch, an einer einsam gelegenen Locanda vorbei, sonst nicht ein einziger Ort von irgend Bedeutung. Gegen 4 Uhr war eö, als wir die Höhe eines kleinen Hügels erreicht hatten, ich plötzlich in weiter Ferne eine große Kuppel hervorragen sah; ich hatte mich nicht getäuscht, denn auf meine dem Postillon gestellte Frage erwiderte dieser o San l'ielro! und dies war ja unser Ziel. Von nun ab blieb uns diese herrliche Kuppel fast immer vor Augen, obgleich wir erst fünf Stunden später in die ewige Stadt einfuhren. Durch prächtige kleine Hohlwege, mit Schlingpflanzen reich bewachsen, gewiß rechtes Terrain für Räubereien und an immer wechselnden landschaftlichen Bildern vorüber fliegt unser Wagen schnell dahin. Die Straße wird belebter, die so °ft gemalt gesehenen römischen zweirädrigen Karren, von tüchtigen Stieren geigen, auch eine Heerde Büffel von Campagnolen gelrieben, begegnet uns, einzelne Villen werden schon sichtbar; leider hat aber auch die Dunkelheit zu-