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Mommsens Römische Geschichte.
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entstand jenes erste Triumvirat, bei dem das Ende, die militärische Monarchie nicht mehr zweifelhaft sein konnte, sondern nur zweifelhaft, welchem von den Prätendenten sie zufallen würde. Unter diesen Umständen erlebte die alte ver­rottete Aristokratie einen schönen Nachsommer. Sie war jetzt die Opposition, die Vertreterin des alten Rechts, sie wurde populär; aber der Macht der Er­eignisse konnte sie keinen dauernden Widerstand leisten, und es war ein Glück für Rom, daß der würdigste unter den Prätendenten auch der entschlossenste war, und daß mit dem Verlust der Freiheit die Herstellung des Staats erkauft wurde. Aus der Charakteristik, die Mommsen von seinem Lieblingshelden gibt, wollen wir wenigstens einiges hervorheben.

Auch Cäsar hatte von dem Becher des Modelebens den Schaum wie die Hefen gekostet, hatte recitirt und declamirt, auf dem Faulbett Literatur ge­trieben und Verse gemacht, Liebeshändel jeder Gattung abgespielt und sich ein­weihen lassen in alle Nasir-, Frisir- und Manschettenmysterien der damaligen Toilettenweisheit, so wie in die noch weit geheimnißvollere Kunst immer zu borgen und nie zu bezahlen. Aber der biegsame Stahl dieser Natur wider­stand selbst diesem zerfahrenen und windigen Treiben; Cäsar blieb sowol die körperliche Frische ungeschwächt wie die Spannkraft des Geistes und des Herzens. Im Fechten und Reiten nahm er es mit jedem seiner Soldaten auf und sein Schwimmen rettete ihm bei Älerandria das Leben; die unglaubliche Schnellig­keit seiner gewöhnlich des Zeitgewinns halber nächtlichen Reisen daS rechte Gegenstück zu der processionöartigen Langsamkeit, mit der Pompeiuö sich von einem Ort zum andern, bewegte, war das Erstaunen seiner Zeitgenossen und nicht die letzte Ursache seiner Erfolge. Wie der Körper war der Geist. Sein bewundernswürdiges Anschauungsvermögen offenbarte sich in der Sicher­heit und Ausführbarkeit all seiner Anordnungen, selbst wo er befahl, ohne Mlt eignen Augen zu sehen. Sein Gedächtniß war unvergleichlich und es war ihm geläufig, mehre Geschäfte mit gleicher Präcision nebeneinander zu be­treiben. Obgleich Gentleman, Genie und Monarch, hatte er dennoch ein

Herz.....Wenn in einer so harmonisch organisirten Natur überhaupt eine

einzelne Seite als charakteristisch hervorgehoben werden kann, so ist eS die, daß alles Ideale und alles Phantastische ihm fern lag. Es versteht sich von selbst, daß Cäsar ein leidenschaftlicher Mann war, denn ohne Leidenschaft gibt, es keine Genialität; aber seine Leidenschaft war niemals mächtiger als er. Er hatte eine Jugend gehabt und auch in sein Gemüth waren Lieder, Liebe und Wein im lebendigen Leben eingezogen; aber sie drangen ihm doch nicht bis in den innerlichsten Kern seines Wesens. Die Literatur beschäftigte ihn lange und ernstlich; aber wenn Alexander der homerische Achill nicht schlafen ließ, so stellte Cäsar in seinen schlaflosen Stunden Betrachtungen über die Beu­gungen der lateinischen Haupt- und Zeitwörter an. Er machte Verse wie