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Korrespondenzen.
Aus Konstantinopel. — Der Friede, wenn er ehestens zu Staude kommen sollte, wird das Interesse nicht aufheben, welches sich an diese Weltgegend knüpft, er wird es mir in andere Ricytuügen hineinwerfen. Was der Krieg seither berührte, war in gewissem Sinne nur die negative Seite der großen, für ihre Erledigung eine weite Epoche in Anspruch nehmenden orientalischen Frage. Der Friede wird nunmehr, nachdem die Vvrbedinguugen gegeben, den Zugang zur positiven Seite eröffnen.
Zu öfteren Malen habe ich Gelegenheit genommen, den Wunsch zu motiviren, daß eben diese Vorbedingungen nmsasscndcre sein möchten, die wahre Garantien gewährten. Je weniger eine solche Ueberzeugung von dem gewonnen werden kann, was sick auf Grund der von Rußland als Basis angenommenen fünf Punkte für die ferneren Feststellungen erwarten läßt, desto näher tritt die Befürchtung: es werde nach kurzem Verlauf ein neuer Rückgriff vou der positiven zur negativen Seite stattfinden d. h. der Krieg wiederholt zur Nothwendigkeit werden, damit das, was jetzt an jenen Vorbedingungen noch mangelt, ergänzt und an Stelle der unzureichcudcn uud scheinbaren Garantien vollständige uud wahre geschaffen werden.
AuS dieser Sachlage, die anch von denen, welche heute den Frieden um jedcu Preis wollen, weil sie ihn brauchen, nicht in Abrede gestellt werden wird, geht zunächst eins als Nächstes nnd Wichtigstes hervor: daß man bei den Neugestaltungen im Bereich des osmanischen Reichs ein vorwiegendes Gewicht auf alles, was die Wehrfähigkeit des Staates angeht, wird legen müssen, weil, wenn die jetzige Kriegskrisis nicht sür alle Zeiten die letzte gewesen, zunächst die Möglichkeit zu-erwägen ist, wie eine nächste, ähnliche zu bestehen, uud zwar glücklich zu bestehen ist, welcher Mittel man dazu bedarf, und wie diese Mittel zu organisircn sind. Das heißt mit andern Worten: die Nothwendigkeit, ein Kricgsstaat zu bleiben, ist sür die Pforte eine in Betreff der obwaltenden, eben berührten Umstände ihr eingeborene, und es hieße ihre Zukunft den Chancen des Zufalls bloßstellcu, wenn mau diese Hauptbediuguug ignorircn wollte, außerdem wäre dieser Fehler ein Verstoß der seither verbündeten Hilfsmächte gegen ihr eignes und nächstfaßliches Interesse, insofern nämlich ein ncner Angriff Rußlands ans die Türlei ihr Einschreiten unfehlbar herausfordern würde, und es selbstredend für diese» Fall vou der größten Wichtigkeit ist, ob das osmanische Reich wehrfähig ist oder nicht, indem der letztere Fall eine um so größere Kraftanstrenguug im betreffenden Zeitpunkte selbst, und vor demselben eine um so schlagfertigere, stete Bereitschaft von Seiten der jetzigen Allianzmächte erheischen dürste.
Dieses Bestchcnblciben der Pforte als Militärmacht und ihre fortschreitende ' Stärkung als solche, würde, wenn sich dergleichen stipulireu ließe, ein sechster, und zwar der wichtigste, Garantiepuukt sein. Auch glaube ich, daß demselben durch die Neutralisation des schwarzen Meeres kaum ein bedeutender Eintrag, oder überhaupt irgend einer, der in Rechnung gebracht, werden könnte, geschehen ist. Allerdings wird ein Reich, welches wie das osmanische situirt ist, die Grundbedingungen seiner Wehrfähigkeit in drei Hauptsachen suchen: in einer zahlreichen, gut bewaffneten und wohl dressirtcu Armee, iu einer zweckmäßigen Landcsbcfestigung und einer die durch das Wassersystem unterbrochenen Verbindungen ausreichend ersetzenden Seemacht. Die erwähnte Ncntralisativn berührt die letztere sehr wesentlich — aber dennoch nicht so tief, daß nicht Auskunstsmittcl verblieben ; denn diese Frage liegt, was wohl berücksichtigt zu werden verdient, sür die Türkei durchaus anders wie für Rußland. Wird letzteres vom schwarzen Meere mit seiner Marine ausgeschlossen, und erfüllt es pflichtmäßig die damit ausgesprochenen Bedingungen: so kann es allerdings die überschüssig werdenden Kräfte in der Ostsee zur Verstärkung seiner dortigen Flotte