Beitrag 
Das homerische Zeitalter : nach Grote und Schömann.
Seite
321
Einzelbild herunterladen
 

Das homerische Zeitalter.

Nach. Grotc und Schömann.

Das Unternehmen der weidmannschen Buchhandlung, die Kenntniß des classischen Alterthums durch eine Reihe von populären Handbüchern in weitern Kreisen zu verbreiten, ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit. Wir freuen uns, daß auch bei uns das Bedürfniß anfängt sich geltend zu machen, die Summe der Detailstudien von Zeit zu Zeit in allgemeinen Ueberblicken zusammenzu­fassen: noch mehr aber, daß auch an die Wissenschaft die bisher von Gelehr­ten oft schnöde zurückgewiesene Forderung gestellt wird, im höhern Sinne des Worts populär zu sein. Sehr oft sind jene vornehmen Seitenblicke der Ge­lehrten auf Popularität aus dem Bewußtsein eigner Unfähigkeit hervorgegangen; in der That erfordert die Popularität eine ganz andre Beherrschung des Stoffs, als die Detailuntersuchung. In der letztern übertreffen wir freilich, wenigstens in den historischen Wissenschaften, alle Nationen, in der Darstellung sind uns Franzosen und Engländer bisher weit überlegen gewesen. Daß wir aber im Stande sein werden, auch diesen Kranz zu erringen, das haben in den wenigen Jahren seit 1848 zahlreiche historische Werke und vor allen Momm- senS römische Geschichte gezeigt. Es wäre zuviel gefordert, daß die übrigen Bücher der weidmannschen Sammlung diesem unvergleichlichen Werke gleich kommen sollten; die Namen der Verfasser bürgen aber dafür, daß sie sämmtlich achtungswerth sein werden. Ueber Prellers bedeutendes Werk: Griechische Mythologie, werden die Stimmen getheilt sein, weil auf diesem schwierigsten und schlüpfrigsten Gebiet der Alterthumsforschung verschiedene Standpunkte auch verschiedene Auffassung bedingen. Die griechischen Alterthümer von Schö­mann, wovon der erste Band vorliegt, sind eine vortreffliche Leistung, was bei der gründlichen und umfassenden Gelehrsamkeit des Verfassers nicht zu be­zweifeln war. Freilich müssen wir wünschen, daß Schömann viel mehr Nutzen aus den Resultaten Grotes gezogen hätte, als er wirklich gethan hat. Denn, vbwol er gezeigt hat, daß er nicbt zu Venen gehört, die in lächerlicher Klein­lichkeit die Größe von Grotes Werk überhaupt nicht sehen wollen oder können, so scheint er doch weit entfernt von der Erkenntniß, daß der Blick des englischen Staatsmanns in gar vielen Punkten besser gewesen ist, als der unsrer Pro- Grenzboten. I. 41