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Der falsche Uranios und der Grieche Simonides.
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ten zu besitzen vorgab. Derselbe brachte den Nnf mit, nicht grade ein antiker Charakter zn sein; er hatte schon in England durch Verkans von Handschristen Ge­schäfte zu machen gesucht, war in Oxford übel angekommen, hatte aber an das britische Museum allerdings einige seiner Schätze verkauft. Wie er in den Besitz derselben gekommen, war duukcl. Mißtrauische Gemüther hatten darüber Vermuthungen, doch glaubte man nicht, daß er sich alle seine Handschriften und Pcrgamentblättcr von außen her angeeignet, sondern daß er auch mchres davon sich selbst verfertigt habe. Er machte auch in Leipzig einige Geschäfte. Er verlauste an die Universi­tätsbibliothek drei Papierblätter aus einer Handschrift vom Berge Athos und 31 Blätter einer Abschrift, die er selbst aus derselben Handschrist vom Athos gemacht haben wollte. Diese Blätter enthielten große Bruchstücke eines altchristlichen Werks, der Hirte des Hermas", welches bis dahin nur aus einer alten lateinischen Ucber- setzung und den Fragmenten der Kirchenväter bekannt gewesen war. Nach diesen drei Originalblättern und der Abschrift des Simouides wurde der griechische Text von Auger und Dindors in Leipzig herausgegeben. Die Echtheit der drei Mauu- scriptblätter, welche aus ciucr Handschrist ausgeschnitten sind, scheint unzweifelhaft; ob die Abschrift des Simonides wirtlich nach einem griechischen Manuscript cvpirt, oder in der behenden Art des Simouides durch seine eignen Erfiuouugen vervoll­ständigt, oder gar eine von ihm verfertigte Rückübersetzung der schon bekannten lateinischen Bearbeitung ins Griechische sei, ist noch auszumachen.

Darauf brachte Simonides ein anderes Manuscript hervor, 72 Blätter einer ägyptischen KönigSgcschichte des Alexandriners Uranivs. Die Handschrist war ein Palimpsest d. h. eine Handschrift, aus welcher die ursprüngliche Schrift vvu spätern Abschreibern weggearbeitet und das Pergament von neuem beschrieben worden war. Die zweite Hand des Manuscripts hatte in den Zügen des 11. oder 12. Jahr- hnnderts weniger Wichtiges ausgezeichnet, die bleichen Züge der ersten Hand ent­hielten in Uncialen des S. Jahrhunderts drei Bücher ägyptischer Köuigsgeschichteu des Uranivs, von den ältesten Zeiten bis aus Ptvlcmäus Lagi. Der Inhalt der zweiten Hand war uuzweifelhcist echt, der Inhalt der ersten wurde vom Professor W. Dindorf in Leipzig trotz dringender äußerer Verdachtgrüude ebenfalls für echt gehalten und das Manuscript dem Simouides für zweitausend Thaler abgekauft, wie auzuuehckeu uutcr den nöthigen Cautclen.

Professor Dindors, nicht nnr in der gelehrten Welt als Philolog uud Heraus­geber alter Autoren, soudern anch an der Börse Leipzigs als speculativcr Gc- schästsmann bekannt, legte das Manuscript der Akademie der Wissenschaften zu Ber­lin vor uud bot es um den Preis vou sünstausend Thalern zum Verkauf au. Er mußte einige tausend Thaler mehr fordern, als er selbst dem Simouides gezahlt hatte, weil er den Uebcrschuß dazu beuutzeu wollte, diesen Simouides und seine Mauuscripte ganz zu durchschauen, zu überwinden, kurz, mit ihm fertig zu werden er selbst hat in seiner Darstellung der ganzen Begebenheit (Leipz. Allgcm. Zeitung No. 31) diese uueigeunützigcn Motive sorgfältig nnd ungemein cinlcnchtend auseinandergesetzt. Die Akademie der Wissenschaften nun ließ dnrch eine Anzahl ihrer Mitglieder die Handschrist vielseitig untersuchen. Zwei große Namen zerleg­ten die Sache chemisch, eiu großer Name mikroskopisch, mehre sehr große Gelehrte kritisch und das Resultat war sie sind unsre Väter; wer es wagen wollte, anch nur den Schatten ihres Turbans zu verunreinige», der würde durch d. Bl. zu eiuem Kampf auf Leben und Tod herausgefordert werdeu aber was wahr ist, muß gesagt werden, das gelehrte Berlin hatte eine schwache Stunde, die Fälschung war zu geschickt ge­macht, die Akademie erklärte die Handschrist für echt und beschloß den Ankaus zu befürworte». Zu dem Ankaus war eine außervrdeutlichc Geldbewilligung durch Se. Majestät den König nöthig und diese nicht im Augenblick zu erlangen und doch er-