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hatte, auch bei unwesentlichen Veranlassungen auf der Straße zu erscheinen, so störte er dadurch den Besuch der Vorlesungen gewaltig. Ihm zur Seite stand ein Rath von IS Consiliariis, die der Mehrzahl nach ebenfalls aus den Scholaren gewählt wurden. Dieser Rath wählte den Nector und Räthe deS nächsten Jahres. Die Aussicht über die juristische Universität führten drei Con- servatoren, von denen der erste der Erzbischos von Narbonne war. Die medi- cinische Universität dagegen hatte zum Haupt einen vom Bischof und drei Professoren auf Lebenszeit gewählten Kanzler und zwei Conservatorcn, den Bischof uud Stadtgouvcrneur. Bei ihr wurden aber jährlich vier Baccalaureen gewählt, welche den Scholaren bei ihren Studien behilflich sein und den Professoren die zweckmäßigsten Lehrbücher vorschlagen sollten. Diese Einrichtungen des -13. und 1i>. Jahrhunderts bestanden in der Hauptsache auch noch im 16. Die Zahl der Nationen, in welche die Scholaren zerfielen, hatte sich vermehrt, die deutsche bildete kein geringes Bestandtheil der medicinischen Universität und die Studenten, wie die Scholaren im 16. Jahrh, bereits genannt wurden, hielten noch eifrig in (Korporationen zusammen und wußten ihre Rechte auch gegen die Docenten energisch geltend zu machen. Doch war schon um das Jahr 15ül) das Uebergcwicht der Lehrer über die in einem ewigen Wechsel begriffene Demokratie der Hörer in der Stille entschieden, wenn auch nicht überall durch Gesetze festgestellt und vieles, was im Miltelalter mit frommem Ernst und größter Feierlichkeit behandelt worden war, z. B. die Promotionen zum Magister, Bacca- laureus und Doctor, war schon damals, so weit eS den Act selbst angeht, eine Förmlichkeit geworden.
Der deutsche Student, welcher hier alö Erzähler eingeführt wird, ist Fclir Plater, der Sohn des Mannes, dessen Selbstbiographie in d. Bl. bereits öfter erwähnt wurde. Auch Felir hat sein Leben beschrieben, das Folgende ist nach der Ausgabe von Fechter (Basel 1840) in unser Deutsch übertragen.
Felir Plater war ein lustiger Gesell, von zarter Empfindung, großem Fleiß uud guten musikalischen und gelehrten Anlagen. Er nahm das Leben leichter, als sein Vater und hatte in seiner Kinderzeit trotz der beschränkten Verhältnisse des väterlichen Hauses doch schon das Glück gehabt, in Basel viele gute Leute zu finden und eine Anzahl bildender Eindrücke zu bekommen. Er hatte tüchtig Latein gelernt, schlug mit Eifer die Laute und sang und war in der Stille in ein hübsches Mädchen, seine künftige Frau, verliebt, als er unter den Segenswünschen seiner Eltern im Geleit eines erfahrenen ManneS die unsichere und schwierige Reise nach Montpellier machte, dort Medicin zu studircn. Von hier an soll er selbst die Erzählung fortsetzen.
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Von der Höhe, auf welcher ein Kreuz stand, sah ich die Stadt Montpellier und das hohe Mcer zum ersten Mal. Bald kamen wir zur Brücke bei