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ßen, diesen Mann von Granit, der die Civilisation in Nußland und den russischen Einfluß in Europa begründete und der mich ein Jahrhundert nach seinem Tode zu dieser verhängnißvollen Expedition zwingt?" Und jetzt erst lösten sich die Zungen, als der Gegenstand, den alle zu vermeiden wünschten, sich so zu, sagen in die Unterhaltung eingedrängt hatte.
Aber wie war unterdessen die Stimmung zu Hause und welchen Empfang bereitete Frankreich dem Herrscher vor, der unüberwunden, aber nicht als Sieger zurückkehrte und nur kümmerliche Neste von der Armee zurückbrachte, welche die großartigste der neuern Zeit gewesen war? Wir führen Villemainö eigne Worte an, denn er spricht aus persönlicher Erfahrung: „Seit etwa einem Monat kannte jeder das Unglück, nicht in seinen greuelvollen Einzelnheiten, aber die Unermeßlichkeit der Katastrophe. Man kannte es auch durch daS neunundzwanzigste Bülletin, das zwei Tage vor der Rückkehr des Kaisers, am 20sten December -1812, im Moniteur erschien. Darin hatte Frankreich den Bericht über die letzten Verluste der Armee gelesen, den es sich immer wieder voll Bestürzung ins Gedächtniß zurückrief; und diese späten Eingeständnisse, entsetzlich, aber noch nicht vollständig, erschienen nach einer langen Periode des Schweigens und der Lüge wie eine Reaction der Wahrheit und erfüllten alle mit der Betäubung sorgenvoller Unruhe." Vielleicht zum ersten Male mischte sich in die öffentliche Trauer und die Thränen der Einzelnen, in die düstere Ungewißheit und die beständigen Todesnachrichten, die zahllose Familien in Trauer versetzten, offen ausgesprochene bittere Entrüstung. Laut wagte man die unglücklichen Worte am Schlüsse des Bulletins zu tadeln, welche bestimmt zu sein schienen eine Art Entschädigung für seinen beklagenöwerthen Inhalt darzubieten „Die Gesundheit des Kaisers war nie besser." — Wir müssen mit diesem Beispiel von der kolossalen Selbstsucht des Eroberers schließen und können Villemain nicht durch die Krisis von -1813 und die -100 Tage begleiten, so interessant auch darüber seine Mittheilungen sind.
Literatur.
Die Todten Hand. Von F. le Prince. Aus dem Französischen übersetzt von A. Kretzschmar. 3 Bände. Leipzig, Kollmann. — Der Verfasser hat den Roman Monte-Christo in der Weise fortgesetzt, daß er zeigt, wie die abstractc Rachsucht des reichen Grasen, soviel Grund er auch hatte, seinen Feinden zu zürnen, doch in ihrem innersten Kern unsittlich und frevelhast war. Er läßt die schlimmen Folgen derselben hervortreten, und der Graf Monte-Christv muß zuletzt als reuiger Büßer bei allen Personen, die er gekränkt, demüthige Abbitte thun.