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Zur Geschichte der preußischen, östreichischen und deutschen Politik. 2. : 1797 - 1806.
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Napoleon denselben als nicht mehr eristirend; Haugwitz mußte am -IS, Februar einen neuen Vertrag unterzeichnen, nach welchem Preußen die für die Abtre­tung von Ansbach versprochene Entschädigung einbüßte, die Elb- und Weser­mündungen und seine Seehäfen den englischen Schiffen verschließen und außer dem Bestände der napolevnischen Macht auch die Vertreibung der Bourbons aus Neapel verbürgen mußte. Anfangs März erfolgte die Ratifikation dieses Vertrages. Preußen hatte die Freiheit der Action verloren. Dem Minister Hardenberg, der als Vertreter der antifranzösischen Richtung in Preußen galt und den Potsdamer Vertrag zu Stande gebracht hatte, mußte der Königun­bestimmten Urlaub" ertheilen; Haugwitz wurde wieder Minister des Auswär­tigen. Die Besetzung Hannovers durch Preußen, welche nunmehr definitiv erfolgte, führte zum Bruche mit England; alle preußischen Schiffe in den bri­tischen Häfen wurden mit Beschlag belegt, die norddeutschen Flüsse blokirt; der Handel Preußens erhielt eine tödtliche Wunde. Am 11. Mai 1806 er­klärte dann Preußen den Krieg an England; es zerriß alle Fäden, welche es an die europäischen Mächte knüpfte, ohne daß seine Beziehungen zu Frank­reich inniger wurden; Napoleon behielt seinen Argwohn und Haß gegen Preußen.

Mit demdeutschen Reiche" ging es seit dem preßburger Frieden zu Ende. In diesem Frieden hatte der Kaiser von Oestreich versprochen,weder als Neichsoberhaupt noch als Mitstand Irgendeinen Act zu chindern, welcher infolge davon vollzogen wäre oder vollzogen wurde." Die süddeutschen Bundesgenossen Napoleons, die neugebackenen Könige von Baiern und Wür- temberg und der Kurfürst von Baden zogen unter französischer Autorität die Besitzungen der Neichsritter ein und hoben die ständischen Verfassungen in ihren Landen auf; sie stellten die Doctrin auf: Souveränetät und ständische Einrichtungen seien miteinander unverträglich. Dabei blieben ihre Lande Von der französischen Armee besetzt und empfanden alle Schrecknisse einer bru­talen Svldatenherrschaft. DieMainzer Zeitung" rief damals aus, es gebe kein Deutschland mehr, es sei ein Irrthum, an eine, deutsche Nation zu glauben; das seien nur Klagen am Grabe eines Volkes, das sich über­lebt habe. Demdeutschen Reichstage" wurde der preßburger Friede nicht einmal zur Sanction vorgelegt. Am 17. Juli 1806 endlich sagten sich vier Kurfürsten, Baiern, Würtemberg, der Reichserzkanzler, Baden und zwölf Fürsten vom Reiche los und schloffen mit Napoleon einen Bundesvertrag, um dadurch den innern und nußern Frieden Süddeutschlands zu sichern, für welchen die deutsche Neichöverfasfung keinerlei Bürgschaft mehr biete." Diesem Rheinbünde traten im September Würzburg und bald auch die sächsischen Fürsten bei. Der Bund war in seinem völkerrechtlichen Ver­hältniß an die französische Politik geknüpft; er war eine große napoleonische