Göttingen, 9. März 1901.
Lieber bester Herr Professor,
in diesem Augenblick erfahren wir
durch Frau Sethe, welche sorgen= und
kummervolle Zeit sie durchlebt ha-
ben. Wir ahnten nichts davon. Ich
konnte gar nicht schnell genug zum
Schreiben kommen, um Ihnen zu sa-
gen, wie betroffenn wir Schwestern
beide sind, und wie tief betrübt.
Sie selbst krank, Ihre liebe Frau in
der Klinik, und dazu Krankheit
und Tod der Mutter: ich lebe alles
noch nachträglich ganz lebendig mit
Ihnen Allen durch. Gott gebe nur,
daß nun schnelle und gründliche Ge-
nesung eintreten möge: vielleicht
hilft der Frühling mit dazu, auf
den wir doch nun allmählich hoffen