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nichtung bietet. Der Aberglaube, der die Menschen stets wie ein böses Gewissen verfolgt, ist sogar so groß, daß sie nicht wagen, abgeschnittene Fingernägel oder Haare wegzuwerfen; kommen Papuas auf eine Station, um sich ihre Wunden verbinden zu lassen, so geraten sie in die größte Besorgnis, wenn ihnen die abgenutzten Verbandstoffe vorenthalten werden — der „Nawir" könnte sie sonst aufgreifen und ihnen den unheilvollen Faden „binden". Dieses Zauberwesen verbreitet überall Furcht, Ratlosigkeit, Unsicherheit und Todesschrecken. Es ist die Triebfeder für grausige Taten, die in die Familien Zwietracht bringen und die Stämme miteinander in blutige Fehden verwickeln.
Tabu.
Erwähnenswert ist noch eine besondere Sitte, die fast auf allen Südseeinseln herrscht, nämlich die Erklärung von Gegenständen, manchmal auch einer Person, als „tabu". Werden Fruchtbänme, wie .Kokospalmen, oder Felder für „tabu" erklärt, so darf niemand von ihren Ertrügen Gebrauch machen. Auch über Hütten, heilige Orte, Geräte und dergleichen spricht man das „tabu" aus, wenn sie der Benutzung entzogen werden sollen. Mit einer Person, die „tabu" ist, darf niemand verkehren. Für das weibliche Geschlecht ist überhaupt manches „tabu". Kein weibliches Individuum darf das für Weiber als „tabu" Erklärte sehen, gebrauchen oder genießen, so z. B. an dem Barakfeste, welches für sie „tabu" ist, nicht teilnehmen (barab — Ahne). Vor allem ist „tabu", was mit religiösen Handlungen und Festen oder mit der Zauberei in Verbindung steht.
Wer das „Tabu" verletzt, kann, außer daß er die Rache aller Geister auf sich lenkt, auch sonst hart, selbst mit dem Tode bestraft werden. Diese Tabusitte hat schon manche Kämpfe verursacht.
IV. Geographisches und Klimatologisches. Expeditionen, Forschungen und Entdeckungsreisen*).
Allgemeines.
In dem engen Rahmen dieses Buches können die geographischen Verhältnisse des Landes eine eingehendere Besprechung nicht erfahren; es dürfte den Leser auch weniger interessieren, einige hundert Namen zu erfahren, die im Laufe der Jahre bei den Neuentdeckungen diesen oder jenen Flüssen oder Bergen gegeben worden sind, als eine allgemeine Übersicht über das Land und eine speziellere Kenntnis der Teile zu erhalten, auf die sich die Besiedlung bereits erstreckt oder sich vermutlich bald erstrecken wird. In dem Sinne ist dieses Kapitel behandelt worden.
Deutsch-Neu-Guinea begreift den nordöstlichen Teil der Insel Neu-Guinea, jetzt Kaiser-Wilhelmsland genannt, und die (etwa 200) Inseln des Bismarck- archipels, früher genannt Archipel von Neu-Britannien, sowie die nördlichsten Inseln der Salomonsgruppe, Bougainville nebst Buka, in sich.
*) Das Nen-Gnineaschutzgebiet umsaht nicht allein das eigentliche Gebiet von Dentsch-Neu- Gninea, sondern auch noch die Marschallinseln nnd die Karolinen-, Palan- und Marianeninseln, die aber hier anf;er Betracht bleiben.