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orgreifnng die Hauptaufgabe des StationSleiterS, deu durch den Grenzstreit verwirrte» Gemütern Vertrauen einznflöffen und deu durch frühere Reisende sehr verwöhnten Urv Tjabo vorsichtig au andere Zeiten zu gewöhnen. Iin Bestreben, das Recht sowie Handel und Gewerbe zu schützen, sind unter anderem die willkürlichen Steuern der eingeborenen Häuptlinge abgeschafft und ist der Handel frei erklärt worden, anderseits- aber hat man zur eigenen Unterstützung Ansehen und Macht kluger Häuptlinge zu heben gesucht.
Auch einige militärische Maffnahmcn waren notwendig hauptsächlich zum Zwecke der Eröffnung des bis dahin ganz verschlossenen Kabnrelandcs und der Bcendignng deS seitens- der sogenannten freien Waldstädte betriebenen Räubernnwesens. So war die Station, so heisst es im Bericht, bis- 1900 mehr Expedition als- Station. Erst 1901, als ruhigere Zeiten eingetreten waren, begannen pflanzliche Versuche. Diese sind in Sokode, wie auf der Nebenstalion Baffari, mit grvffem Eifer betrieben worden und erstrecken sich auf mehr als hnndertsünfzig Pflanzenarten von verschiedenster Nutzbarkeit. Anffer diesen VersnchS- gärten unterhalten die Stationen Saatbeete, in
denen besonders Sisalagaven, Baumwolle und Nutzhölzer kultiviert werden, da man auch hier wie in Sansane-Mangn eine künftige Aufforstung im Auge hat.
Man erstrebt auch eine Aufbesserung der einheimischen Rinder und Pferde, von welch letzteren im Bezirk besonders PvilpS, die sogenannten Kotatollis, gezüchtet werden.
Unsere heimischen Museen verdanken besonders 0r. K e r st i n g wertvolle Sammlungen, ethnographische, darunter eine solche von sieben- hnndertsechsundachtzig Stück alter Steinwerkzcnge, sowie zoologische. Durch letztere ist hauptsächlich die Verwandtschaft der Fauna des Togohinter- landes mit der der Senegalländer festgestellt worden. Manche neue Tierarten sind von Sokode eingesandt worden, ebenso neue Rassentiere wie die Kviikoinbahanskatze und der getigerte Svkvde- hnnd. Diese wissenschaftliche Betälignng der Station entspricht allerdings ihrer Bestimmung, denn nachdem Misahöhe und Kete-Kratschi mit Bis- marckburg als Forschnngstativnen ausgeschieden sind, werden nnr noch Sokode und Sansane- Mangn anS den Mitteln des Afrikasonds unterhalten.
Am 11. Juni 1898 fand die Gründung der Station Atakpame statt. Die Stadt Atakpame liegt 350 m hoch in einem anmutigen Kessel, dessen Ränder etwa 80 m hohe Bergzüge bilden. Die Station ist auf dem Südabhang des Kesselnordrandes erbaut, so daß man die Stadt, sowie die über das Gebirge führenden Pässe übersehen kann.
An der Nordseite deS StationShofes ist das Hans- des Stationsleiters aus unbehauenen Steinen und Lehm errichtet worden. Es enthält eine Halle und zwei Zimmer, ist mit einer ringsnnilau- senden Veranda versehen und trägt ein Dach aus Schalung und Dachpappe. Ein zweites steinernes Hans dient als Bureangebünde und Palaverhalle. Dazu kommen noch aus Lehm gebaut und mit Gras gedeckt das Tolinetscherhans-, das Wacht- hans, die Küche, Schuppen und Werkstätten.
Seitwärts des HanpthoseS befindet sich ein Nebenhof mit zwei langen Schuppen für die Unterbringung von Expeditionen. An geringer Entfernung ist das Lager sür vierzig Soldaten mit ebensoviel Hütten errichtet. Allerdings muff das Wasser mit etiva 60 in Steigung aus- einer Entfernung von 600 m herbeigclragen werden.
Es ist schon früher berichtet worden, ivie sehr die Stadt verödet war und das; sie sich neuerdings als Platz eines groffen Markt- und Karawanen- verkeyrs entwickelt hat. Nunmehr durchziehen breite, saubere Straffen kreuz und gner die Stadt, in der zwei Monnmentalbrunneii, der Kaiser-
Wilhelm- nnd der Bismarckbrnnnen, ausgezeichnetes Trinkwasscr spenden. Die europäischen Firmen haben sich in Atakpame ansässig gemacht, eine ganze Anzahl eingeborener Küftcnhündler hat sich niedergelassen, und täglich ziehen lange Karawanen, vst Hnnderle von Köpfen stark, Hanssn, Tschandjo und Aornba, durch die Station. Die Missionen nnlcrhalten hier grosse Niederlassungen, dieKalholiken auch eine Kapelle und ein Schwestern- heim.
Wenn die Bahn Atakpame erreicht haben wird, was ja noch 1910 zu erwarten war, so wird der Ort sicherlich einen groffen Aufschwung erleben.
Auster mit Bersnchsgürten, aus- denen znm Teil erfreuliche Erfolge mit Faserstoffe nnd Kautschuk liefernden Pflanzen, sowie mit Nutzhölzern gemeldet werden, hat sich die Stationsleitnng mit Versuchen znr Hebung der Viehzucht beschäftigt. Zu dem Zweck hat ein früherer Leiter bei den in Tschandjo ansässigen Fnlbe Stücke von Rassevieh erstanden und nach Atakpame überführen lassen. Auf Pferdezucht wird man wahrscheinlich verzichten müssen.
JnJendi ist im Jahre 1900 eine Station gegründet worden, die alsNeben- station von Mangu aus besetzt wird.
X. Verkehrs-, Äandels- und Postverhältnisse.
Eine Hauptaufgabe haben sowohl Gouvernement wie Stationen in der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse gesehen, um einerseits Händlern und Karawanen den Zugang zu Markt- und Küstenplätzen zu er-