In den Jahren 1903 bis 1907 sind in Anecho »nd bei Badja an der Paliinebahn vereinzelte Fälle vvn Gelbfieber aufgetreten. Auch der Re- giernngSarzt Dr. Martin erlag der Krankheit, Seildein sind zwar leine neuen Fülle konstatiert, doch ist ein Wiederanflreten immer zn befürchten, da die KrankhcitSüberträgerin Ltesomia ku-seiata sich an der ganzen Westküste findet.
In der Goldtnstenkolvnie ist in den letzten Jahren die Pest erschienen. Es mnsiten für Togo Sichernngsmaffregeln ergriffen werden, die auch bisher Erfolg gehabt haben.
Die epidemische Genickstarre tritt seit einigen Fahren in den nördlichen Bezirken Mangn-Jendi und Svkode-Bassari während der Trockenzeit regelmässig anf und fordert eine grössere Anzahl Opfer.
Schon in den Jahren 1898 biS 1901 war in den Bezirken Misahöhe und Kete-Kratschi die Schlafkrankheit erschienen. In dieser Zeit erlagen der Krankheit etwa 1-10 Personen. Dann schien die Krankheit erloschen. Aber 1901 konstalierte der Regiernngsarzt in Palime bei 80 Personen Trypanvsvmen. Bis April 1909 wurden in den beiden Bezirken 161 Fälle der Krankheit festgestellt. Die Kranken wurden in einem Lager aus einer gesund gelegenen Anhöhe bei Misahöhe untergebracht. Eine Anzahl konnte als gebessert in die Heimai entlassen werden mit der Verpflichtung, sich von Zeit zn Zeit znr Untersuchung zn stellen.
Auch Influenza und Keuchhusten treten in epidemischer Weise aus.
Dre Eingeborenen sind sehr häufig Erkältungskrankheiten, wie Lungen- und Brnstfellenkzün- dnngen unterworfen, auch Tuberkulose kommt vereinzelt vor. Sie leiden auch an Rheumatismus und GelenkrheumalismnS, Sehr zahlreich sind die Hautkrankheiten. Leider hat sich ergeben, das; echte Lepra durch ganz Togo verbreitet ist, so das; man sich znr Errichtung eines Lepraheims ent- schlieffen muffte. Ein solches ist im Jahre 1906 bei dem vvn Lome 9 Irm entfernten Dorfe Bagida in einer solchen Ausdehnung angelegt worden, das; die arbeitsfähigen Kranken landwirtschaftlichen Arbeiten nachgehen können. Viele schreckliche Verstümmelungen der Gliedmaffen sowie tiefe und fressende Geschwüre — die öfter an Lepra erinnern — sind eine Folge von kleinen Verwundungen und Insektenstichen, die durch gröbliche Vernachlässigung, törichte Mittel und Mangel an Reinlichkeit einen so bösartigen Ausdruck angenommen haben. Hierher wären auch die durch die Sandflöhe eingeleiteten Zehen- und Fuffgeschwüre und -Verstümmelungen der Eingeborenen zn stellen.
Von anderen Hanttrankheilcn der Eingeborenen
seien noch AnSschlag genannt, der angeblich durch Waschen mit schlechtem Wasser herbeigeführt wird, Furunkeln und Ekzem, roter Hund und Krätze, Ringwnrm und die mit hinibcerartigen Erhebungen anf der Haut auftretende Framboösia. Sehr geplagt, besonders zu Ende der Trockenzeit und Beginn der Regenzeit, sind die Eingeborenen durch Gnineaivürmer, die manchmal zn Dutzenden an den unteren Extremitäten zutage treten,- aber es sind noch andere parasitäre Krankheiten vorhanden, deren Natur freilich noch nicht erkannt ist. Es findet sich die ägyptische Angentrantheit, sowie häufig Horn- und Bindchantertranknngen, die oft znr Erblindung führen, Sieben anderen Geschlechts? trankheiten ist die Syphilis zn erwähnen, sowie die oft weniger Störung verursachenden als manchmal geradezu grotesk in Erscheinung tretenden Nabel- nnd anderen Brüche, elefantiasische Geschwülste nnd Kropfbildnngen, an welch letzteren besonderS die Gebirgsbevölkernng nnd unter dieser die Weiber zn leiden haben. Endlich seien alüinische Erscheinungen erwähnt, die — wenn sie stark ausgebildet sind — öfters mit Schwachsinn verbunden sind, wie denn überhaupt Geisteskrankheiten verhältnismässig häufig sind. —
Im Anschluss sei des Nachtigal-Kranken- h anseS in Anecho und des neuen Königin Ehar- lvtte-KrankenhanseS in Lome gedacht. Vor ersterem findet sich ein Denkmal des bewährten Oberstabsarztes !>>-. Wicke, der bis zn seinem Tode der Leiter desselben gewesen ist. Beide Krankenyünser dienen nicht nur den Weihen aus Togo, sondern nehmen auch solche aus den Nachbargebieten anf, ja werden von diesen letzteren sogar gern in Anspruch genommen.
Für die Eingeborenen sind in Lome nnd Anecho ebenfalls Krankenhäuser und Polikliniken eingerichtet. Für Lome nnd deren Umgebung ist Jmps- zwang eingcsührt,- anffcrdem wird Lymphe an die Jnlandstationen abgegeben, wo die Impfung in snchgemäffer Weise ausgeführt wird. Als weitere hygienische Maffnahmcn führen wir noch an die regelmässigen Gesnndheitsvisitalivnen für Soldaten, Arbeiter nnd Gefangene, Überwachung der Lffentlichen Brunnen, Anlage von Aborten sür die Eingeborenen nnd Wegschaffnng der Fäkalien, Anlage des SchlachthofeS in Lome, sowie die Verordnungen über die Beerdigung der Toten anf den Friedhöfen, über die Reinhaltung der Wege nnd Ortschaften. In Lome, Anecho und Palime sind zur Bekämpfung der Mückenplage Gesnnd- heitsaufseher angestellt, die ihr Augenmerk besonders aus die Beseitigung vvn Tümpeln nnd Sümpfen zn richten haben.
VII. Die Europäer und ihre Äauptwohnplätze.
Die Anzahl der im Gebiet ansässigen Europäer betrug am Schlüsse des Berichtsjahres 1908/09 330; davon Beamte 77, Missionsangehörige 85, Kaufleute 65, Pflanzer 6; der Nationalität nach finden sich unter den 330 Weißen 300 Deutsche.
Unter den 330 Köpfen befanden sich 7 Kinder und 61 Frauen, davon waren 23 Ehefrauen, 24 Missionsangehörige und 4 Pflegeschwestern.
Von den Weißen wohnten in Lome 175, Anecho 22, Palime 20, Atak-