Phonogramme
Ein Hinweis auf die Bedeutung der diakritischen Bezeichnungen bei der Notation wurde schon in der Einleitung gegeben. Danach habe ich mich im wesentlichen den Vorschlägen Hornbostels und Abrahams angepaßt. Es soll daher hier nur eine kurze Erläuterung gegeben werden zu dem Plan der Anordnung der Transskriptionen und zu dem System, nach dem ich die einzelnen Aufnahmen besprochen habe. Die Grundordnung des Walzenmaterials ist: A. Phonogramme der Tikar, B. der Wüte, C. der Mbum, D. der Bati. Von den Wüte, Mbum und Bati kommen allerdings nur wenige Walzen in Frage. Unter sich habe ich die Phonogramme nach ihrem Inhalt geordnet. Es folgen auf einander 1) Choraufnahmen, a) rein vokal, b) mit Instrumentalbegleitung, 2) Vokal-Soli, 3) Vokal-Soli mit Instrumentalbegleitung, 4) Instrumentalsoli oder Ensembles.
Die Untersuchung der einzelnen Aufnahmen wurde vorgenommen nach Melos, Phrasierung, Metrum, Text und Skala. Die Beurteilung des Melos ist insofern durch geringe Fehlermöglichkeiten gefährdet, als die Notation auf einer mehr oder weniger subjektiven Auffassung der Tonhöhe beruht. Die Bezeichnung einzelner Noten mit einem Plus- oder Minus-Zeichen versucht zwar den wirklichen Tonhöhenverhältnissen nahe zu kommen; die Resultate sind aber nicht durchaus zuverlässig. Bei exakten Übertragungen eines Phonogramms auf ein Kymographion 1 würden sich innerhalb jedes einzelnen Tons wahrscheinlich noch bedeutende Schwankungen ergeben. Das ist ja allgemein bekannt aus den Ergebnissen, die man z. B. aus den Darbietungen guter europäischer Berufssänger unter Umständen gewinnen kann. 2 Helmholtz hält für den Grund des unreinen Singens die temperierte Stimmung des Klaviers. Inwieweit das zutrifft, kann hier natürlich nicht erörtert werden. Daß aber manche exotische Völker neben einer theoretisch abgeleiteten Skala noch eine besondere (mehr oder weniger temperierte) für die praktische Anwendung haben, ist ebenfalls bekannt. Das könnte natürlich zu mancherlei Alterationen führen, die einmal voluntaristische, zum andern aber auch rein physiologische Ursachen hätten. Es kommt noch hinzu, daß sich die Tonhöhe bei musikalischen Äußerungen der Naturvölker auch leicht durch psychologische Ursachen beeinflussen lassen
1 Etwa nach W. E. Peters Methode: Glyphischo Aufnahmen auf berußtes Papier. Vox 1916, H. 3, 5, S. 121 ff.
2 Vergl. u. a. R. Sokolowsky, Über die Genauigkeit des Nachsingens von Tönen bei Berufssängern, Beiträge z. Anatomie, Physiologie usw. Bd, V, H. 3, S. 204 ff ; ferner Abraham, Diskussionsbemerkungen VI. Kongr. f. experim. Psychologie 1914, Göttingen, S. 135 f.