Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
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deutsche Regierung die vorhandenen großen Häuptlinge und unterstellte dem klugen und tapfern Ngambe eine große Zahl kleiner, bisher unabhängiger Dörfer 1 . Nur das früher zu Mboaga gehörige Bengbeng wurde selbständig ge­macht; Mboaga selbst war zerstört und verlassen. Der große Ort des Ngambe wurde der Häuptlingsplatz der ganzen Landschaft, im Mund der Europäer erhielt auch der Platz den NamenNgambe, während die Eingeborenen ihn weiter Nsoflo,das Kühle nennen.

Die Macht von Tibati aber wurde erst völlig gebrochen, als die Expedition Kamptz, die schon einmal Tibati gestürmt hatte, auf einem zweiten Zug 2 dort­hin den Lamido Mama Lamu, der sich zu einem schlimmen Despoten entwickelt hatte, gefangen nahm. Nach der bald darauf erfolgenden Gründung der Militär- Station in Banjo wurde Tibati vom Verwaltungsbezirk Joko abgetrennt und Banjo zugeteilt. Heute ist wieder, wie zu Barths 3 Zeiten, Tibati die südlichste Fullah-Niederlassung in dem allmählich immer mehr zerfallenden Staatengebilde Adamaua.

Die heutigen Wohnsitze 4

Im westlichen Teil des Ost-Mbamlandes bewohnen auch heute noch die Tikar ihr altes geschlossenes Wohngebiet zu beiden Seiten des Kim und am oberen und mittleren Mbam. Das Inselberg-Gebiet um den Njua, die hohen West-Ndomme, die waldreichen Mittel-Ndomme und der Wald zwischen den Ndomme und dem Mbam werden von Tikar bewohnt. Jessom und Njanti- Gebirge liegen außerhalb des Tikarlandes.

Der südlichste Tikarstamm gehört zum Häuptlingsort Ditam. In dieser Gegend schieben sich die Tikar längs des Mbam und Kim als schmaler Keil nach Süden vor. Weiter nördlich verbreitert sich ihr Gebiet nach Osten; westlich dehnen sie sich über den Mbam aus und gehören dort politisch zum Reich Bamum. Im Osten zieht sich die Grenze desTikargebiets hinüber zum Westfuß der Ndomme, wo zunächst in der breiten Bucht des Mpem ein breiter Grenzsaum liegt, auf dem Wüte und Tikar durch einander wohnen. Dann aber wendet sich die Grenze in die Richtung West-Ost und verläuft jetzt ziemlich scharf und aus­geprägt am Steilrand der Ndomme: oben in den Bergen die Tikar, unten in der Ebene die Wüte 5 6 . Diese Richtung der Grenze besteht noch heute deutlich in den hohen West-Ndomme und in den niedrigeren waldigen Mittel-Ndomme. Die wieder höheren und felsigen Ost-Ndomme hingegen werden von Wüte be­wohnt: hier läuft die Grenze wieder nach Norden, hinüber zu der aufgesetzten Gruppe der Labarä und östlich von Lomonji zum Mbam, wenn man hier über-

1 Kamptz. Kol. Bl. X. 1899. S. 561.

2 Kamptz. Kol. Bl. XI. 1900. S. 135.

3 Vergl. oben S. 14. Amn. 2.

4 Die Karte I: Völker des Ost-Mbamlandes soll lediglich die Verbreitung der Völker

darstellen; eine kartographische Wiedergabe der Volksdichte war bei dem Mangel an zuverlässigen statistischen Unterlagen leider nicht möglich.

6 Dominiks Grenze (Sechs Kriegs- und Friedensjahre S. 272)der Kim ist falsch.