Jahrgang 
1903: 1901/1902
Entstehung
Seite
399
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Anlage IV.

Allgemeines.

Die von Herrn Schlechter dem botanischen Garten in Singapore zur Anzucht übergebenen Guttaperchapflänz­linge sind Anfang Oktober in Hamburg eingetroffen und nach Kamerun an den botanischen Garten zu Victoria und an die Pflanzungen weiter versandt.

Die geschäftliche Ausnutzung der Entdeckung von Guttapercha wird jetzt u. A. durch die Neu-Guinea Compagnie betrieben, größere Mengen von Guttapercha sind bereits gewonnen.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamtes hat dem Kolonial-Wirthschaftlichen Komitee, Berlin, eine größere Summe aus seinem Dispositionsfonds bewilligt, zur Nutzbarmachung der Ergebnisse der Guttapercha- und Kautschuk-Expedition nach der Südsee, insbesondere zur fabrikatorischen Prüfung größerer Mengen der in Neu- Guinea entdeckten Guttapercha auf ihre Verwendbarkeit für Telegraphenkabel.

II. Kslonral-Mirthschaftliches Institut.

o) Chemische, technische und pslanzen-pathologische Unter­suchungen.

Chemische und technische Untersuchungen wurden vor­genommen an Rohprodukten und Nährstoffen, pflanzen- pathologische Untersuchungen an thierischen und pflanzlichen Schädlingen aus den Schutzgebieten und überseeischen Interessengebieten.

Ueber die Arbeiten giebt die nachstehende Tabelle Aufschluß.

n) Chemische Untersuchungen kolonialer Produkte durch den Hülfsarbeiter des Komitees, Chemiker Carl Mannich, unter Aufsicht von Professor Dr. Thoms, Leiter des Pharmaceutischen Instituts der

Universität Berlin.

Name.

Herkunft.

Ergebniß.

Rinde von ^Ibi22ia autllol- mintioa.

Blätter des Balatabaumes. Baumwollsaat.

Früchte von Oopaikora

M0MN6.

Deutsch-Südwest­

afrika.

Venezuela.

Deutsch-Ostafrika.

Deutsch-Südwest­

afrika.

Wurzeln von Oopuitoru Deutsch-Südwest- M0MU6. afrika.

Gummi von verok. Deutsch-Ostafrika.

Gummi von benotn LLricii. Deutsch-Ostafrika.

Gummi von Venain 8 ozm 1 . Deutsch-Ostafrika.

Gummi von ^.oaeiu spiro- Deutsch-Ostafrika.

Gummi von ^oaoia rmn- Deutsch-Ostafrika, dien.

In der Droge wurde Saponin und ein Alknloid nachgewiesen, der Handelswerth des Produkts ist gering.

Die Extraktion ergab ein nicht marktfähiges Produkt.

Die Samen enthielten den normalen Oelgehalt von 19,7 0/0.

Die Früchte lieferten bei der Extraktion mit Aether 18,7 o/ ji Geruch dem Terpentin ähnlichen Balsam, einer praktischen Ver­wendung des Produktes wird voraussichtlich der hohe Preis im Wege stehen.

In den Wurzeln wurde ein Alkaloid in geringen Mengen nach gewiesen. Die Reindarstellung ließ sich bei dem geringen zur Verfügung stehenden Material nicht durchführen.

Die farblosen Stücke entsprechen vollständig den Anforderungen, die an Medizinalgummi gestellt werden; die meist beträchtlich größeren, braunen Körper stellen ein gutes technisches Gummi dar.

Der Gummi ist in seinem Verhalten dem echten arabischen Gummi ähnlich. Durch Auslesen der farblosen Stücke läßt sich in reich­licher Menge ein hervorragend schönes Medizinalgummi ge­winnen, der Rest ist an Werth den besten technischen Sorten gleichzusetzen.

Der Gummi enthält etwas Bassorin und löst sich deshalb nicht vollständig in kaltem Wasser. Der Gummi ist für Medizinal zwecke nicht geeignet, aber eine recht brauchbare technische Sorte.

Das von alten Pflanzen stammende Produkt stellt ein technisch brauchbares Gummi dar, während das von jungen Pflanzen stammende Produkt wegen der Verunreinigungen zweifellos minderwerthig ist.

Das Gummi löst sich wegen geringen Bassoriugehalts nicht voll­ständig in kaltem Wasser; es ist aber eine technisch durchaus brauchbare Sorte.