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Meine Reise nach Brasilien : Vortrag, gehalten in der Abteilung Berlin-Charlottenburg der Deutschen Kolonial-Gesellschaft / Hermann Meyer
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Meine Reise nach Brasilien.

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des Nachts freigelassen, da sie nur dann der Nahrung nach­gehen. Häufig machen sie aber von dieser Freiheit zu aus­giebigen Gebrauch, dass es zuweilen tagelang dauert, um sie wieder zu finden. Drei Tagereisen hinter Limoeira über­schritten wir den Paranatingafluss.

Der Paranatinga bildet die äusserste Grenze brasilianischer Ansiedelungen, und es beginnt jenseits das nur von Indianern betretene Gebiet. Die Ansiedelungen der wilden Indianer sind aber noch sehr weit. Am Fluss seihst, einige Tagereisen oberhalb unseres Uebergangs, findet sich jedoch ein Dorf der sogenannten zahmen Bakairi, deren wilde Verwandte Steinen am Batovy und Kulisehu entdeckt hat. Die Bakairi des Paranatinga sind durch lange Berührung mit den brasilianischen Ansiedlern schon stark brasilianisiert und haben noch wenig mehr von ihrem Charakter erhalten. Nach diesem Dorf machte ich, ehe wir weiterzogen, einen Abstecher, um daselbst einige Indianer zu engagieren, die mir für den Kanoabau der bevorstehenden langen Fluss­reise und als geschickte Ruderer höchst wertvoll waren. Ich hatte mir ein englisches Faltboot aus Segeltuch mitgebracht, welches, für fünf Personen gross genug, eine leichte Esellast bildete und in fünf Minuten aufgeschlagen werden konnte. Für das Uebersetzen der Menschen und Lasten über die zahlreichen Flüsse hat es mir ungemein genützt, und in ihm fuhren wir nun den Paranatinga hinauf zum Bakairidorf. Ich hatte grosses Glück. Denn ich traf den alten Steinenschen Bakairibegleiter Antonio, der sofort bereit war, mit mir zu gehen, und auch vier weitere Bakairi verschaffte. Zwei der­selben stammten vom Kulisehufluss, mit welchem, wie auch mit dem Batovy, seit Steinenjs Reise ein ziemlich reger Verkehr vom Paranatingadorf unterhalten wird. Vom Paranatinga aus marschierte die Karawane nordwärts; wir gingen meilen­weit über verbrannte Steppe, überschritten einen Höhenzug, an welchem wir den alten Messerhieben begegneten, mit denen Leute der ersten Schinguexpedition an den Bäumen den Weg markiert hatten, und gelangten nach mühevollem Marsch und allerlei Zwischenfällen am 13. Juli endlich an