Berichte über neuere Arbeiten zur Deutschkunde.
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die Bestrebungen der Araber, Kurden und Armenier, ihr völkisches Sonderleben zu erhalten und zu vertiefen. Daß diese Bemühungen das Gefügc des Osmanischen Reiches stärken könnten, fällt uns schwer zu glauben, ebenso wie auch die wirtschaftlichen Unternehmungen der Franken, die sich in den einzelnen Teilen des Reiches eingenistet haben, mehr auf den Zerfall der Türkei als auf ihre Kräftigung hinarbeiten dürften. Man zeige mir doch in aller Welt nur ein einziges Staatsgebilde — abgesehen natürlich von jungfräulichem Kolonial- boden — das zu kraftvollem Eigenleben zurückgekehrt ist, obgleich es schon von einer Reihe fremder Mächte in ebensoviele Arbeitsgebiete aufgeteilt worden war.
Buch hinsichtlich der reinlichen Scheidung und gegenseitigen Achtung dieser Räume sieht Grothe wohl etwas zu rosig in die Zukunft, wen überkäme bei dem Gedanken an die großen Reibnngsflächen, die hier entstehen müssen, nicht eine gewisse Sorge, daß wegen der Zukunft Kleinasiens noch manches Schwert schartig werden dürfte?
Um fo freudiger kann man Hugo Grothe darin beistimmen, daß es nunmehr die Aufgabe unserer Landsleute sein muß, sich in den Teilen Kleinasiens, die ihnen offenstehen, längs der Bagdadbahn und in den wichtigen Gebieten zwischen dein Kilikischen Meerbusen und dem oberen Mesopotamien, nach Kräften zu regen und den deutschen Anspruch auf diese Erdräume durch täglich sich vergrößernde werte aller Welt zu erweisen. Gebe Gott, daß wir, sollte es einmal wegen des näheren Orients zu blutiger Auseinandersetzung kommen, durch soviel Hoffnungen, geistige und wirtschaftliche Bande an dieses Land gefesselt wären, daß unser Volk mit ruhiger Selbstverständlichkeit seine stolze Kraft an die Behauptung des Besitzes setzte! Als einen guten Tauschgegenstand für portugiesische Kolonien möchte auch ich die Stätten, wo so viele unserer Besten gewirkt haben, beileibe nicht betrachtet wissen.
Der freudigste Beifall dürfte dein Verfasser zuteil werden, wo er seinem Volke vorwirft, es sei noch viel zu kurzsichtig, um zu begreifen, daß der ganze Erdball die Werkstatt seines kulturellen und wirtschaftlichen Wirkens bilden müsse, und dort, wo er den deutschen Hochschullehrern der Erdkunde zuruft, sie dürften nicht vergessen, daß die Erde, die sie ihren Hörern schildern wollen, dazu bestimmt sei, mit deutschein Pflug beackert und mit deutschem Geist befruchtet zu werden, wie oft seufzte ich nicht selbst als deutscher Anslandslehrer darüber, daß unser mächtiges Reich zur Unterstützung der Auslandsschnlcn im Jahr kaum soviel bereitstellt, wie
ein einziges Torpedoboot kostet. Ehrensache müßte es für uns sein, in allerkürzester Zeit den vorsprang einzuholen, den im näheren Grient hinsichtlich des Schulwesens die Franzosen, Amerikaner, Engländer und Italiener vor uns gewonnen haben. Die Zeit drängt; auch von den Erfolgen auf diesem Gebiet würde es abhängen, was uns bei einer Aufteilung jener Erdräume zufiele. Ehe wir uns auf Grothes Rat wegen der Umgestaltung der türkischen Volksschulen den Kopf zerbrechen, sollten wir nur getrost das Beispiel der Amerikaner und Franzosen nachahmen. Sie haben es auf ihren wegen schon weit genug gebracht! Dem Vorschlag, unsere Schulen nur den Türken zu öffnen, möchte ich nicht beipflichten; es wäre wohl das Falscheste, was wir tun könnten. Ein solches Verfahren würde uns nur die begründete Feindschaft aller übrigen Volksgemeinschaften eintragen, unter der unsere Arbeit oft genug zu leiden hatte. Hüten wir uns, alle unsere Hoffnungen auf das Gsmanentum zu setzen. s)eder halbwegs vernünftige Türke wird sich sagen können, daß unsere Politik nicht den geringsten Grund hat, auf die Schwächung der Gsmanen hinzuarbeiten. Uns aber schier gewaltsam mit Griechen und Armeniern zu überwerfen, haben wir nicht die mindeste Veranlassung, zumal diese Völker uns wirtschaftlich sehr viel schaden können. Ist es doch auch den Engländern geglückt, gute Freunde der Türken zu bleiben, ohne sich deshalb mit deren Rebenbuhlern zu verfeinden.
I vor allem aber, und darin hat Grothe allzu recht, i ist es höchste Zeit, jene Gebiete, in denen wir uns be- j tätigen möchten, wagemutig und regsam mit deutscher ! Arbeit zu erfüllen. Gott behüte uns davor, daß unser ! Vaterland eine einzige große Fabrik wird, deren fleißige ! Arbeiter aller Welt wünsche befriedigen, ohne daß sich ! die Enkel Bismarcks irgendwo auf der Erde als Herrn- ! volk fühlen. Anstatt auf die „Krämerpolitik" der Eng- ^ ländcr zu schelten, sollten wir lieber ihrem Beispiel folgen.
> Ist deren Kolonialgeschichte, die den Briten als Herrn
! der Welt in die Dämmernacht des Urwaldes, in die
! erhabene Einsamkeit der Steppe und zu den Alpenmatten Pamirs führte, nicht durchweht von dem Hauche weltweiter Poesie? Und hüten wir uns, alles vom Staate zu erwarten! Lehren wir die Jugend, daß nur der ein ! Recht hat, die Glieder auf der Gfenbank zu recken, der
! das Seine dazu getan hat, den Volksgenossen ihren An-
! teil an den Schätzen der Erde zu sichern. An solcher ^ Erziehung mitzuwirken, ist auch des sinnigen Orient- ! forschers treffliche Schrift berufen, und daher wünschen ^ wir ihr einen großen und empfänglichen Leserkreis.
stenictite üben neuere Arbeiten 2ur Yeullclikun-e.
(D. d. — Deutsch.)
preußische Mstinarkeift Die deutsche Ostmark. Herausg. vom D. Gstmarkenverein. Gr.-go, 685 S- Lissa i. P. sysz, Oskar Eulitz. so M.
Es handelt sich hier um ein großartig angelegtes Prachtwerk, das den Zweck verfolgt, einerseits die Heimatliebe der d. Ostmärker zu stärken, anderseits aber den im übrigen Deutschland immer noch weitverbreiteten Vorurteilen entgegenzutreten, als sei der preußische Osten sozusagen ein Land, in dem sich die Wölfe und Füchse Gutenacht sagen. Zu diesem Zwecke sind hier in passender Auswahl uud geschickter Abrundung Abhandlungen aus der Feder sachverständigster Mitarbeiter über alle Deutsche Erde. Z9sZ, Heft 8.
Kultur- und Lebensgebiete zu einem schönen, einheitlich wirkenden Ganzen zusammengestellt, dem der stellvertretende Vorsitzende des Ostmarkenvereins, Kais. Gesandter z. D. Ludwig Raschdau (Berlin) ein treffliches Vorwort gewidmet hat. Geh. Rat Dietrich Schäfer hat die geschichtliche Einleitung geschrieben, die Klimatologie der Ostmark wird von Pros. Wilhelm Könnemann (Posen), die Geologie von Pros. Dr. Fritz Pfuhl (Posen) und Pros. Dr. Paul Sonntag (Danzig-Reufahrwasser),
! die Pflanzen- und Tierwelt von Dr. Fritz Pfuhl (Posen ! und Dr. Hans preuß (Danzig), Land und Leute von ^ Oberlehrer Fritz Braun (Graudenz), Städtewesen von
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