207
Andreas Lutz: Die Ausrottung der deutschen Volksschulen in den letzten drei Zahrzehuteu.
gärten, Bleicheil, Stellungen und gute Brnnnen besitzt, einen günstigen Eindruck. Die Gewerbtreibenden huben seit einem halben Jahre ein eigenes Vereinshaus mit großen: Saal, Bühne und Bibliothek, und der verein zählt t.zo Mitglieder, außerdem ist in Tevel ein bürgerlicher Leseverein, der ebenfalls eine Bibliothek, Zeitschriften und Zeitungen für seine Mitglieder anfliegen hat. Die Gemcindeangelegenheiten schlichtet der Richter, der auf drei Jahre gewählt wird, seine Helfer sind der j Vizerichter und die Geschworenen; den Pfarrer ernennt der Diözesanbischof, den Rotär der Gbcrftuhlrichter. Tevel hat drei Gemeindediener, die auch das „Austrimmla" (Austrommeln) besorgen und als Eiutreiber des fälligen Steuergeldes „Gmoanhund" genannt werden. Die alten Straßenbezeichnungen, die jetzt nach und nach durch madjarische ersetzt werden sollen, sind: die Bück-, lvinkcl-, Kalabrie-, Zigennerberg-, Schäferberg-, Dreisaltigkeits-, Rank-, Broati-, Reu-, Bach-, Schmalzpfosten-, Über- willen- und die Ratzigasse (als Andenken au die früheren Bewohner!), es gibt dann noch ein petersgäßli, einen Stier-Mathaisi-Berg, die Eisenüarts-Bruck und die Erete- Bruck, des Höllenftadl und der Zweng (d. h. enger Hohlweg). An Tevel schließt sich sogleich Koväesi (sprich Kowatschi) an, das ist eine kleine ganz selbständige neuere Gemeinde. Die Teveler sind „blaue Schwaben", d. h. der Hanptton ihrer Kleidung ist die blaue Farbe: die Frauen tragen: mit Vorliebe sog. „Färbergwand", d. h. Leiuenkleider in dunkelblauer Farbe, die Männer trugen noch vor fünfzehn Jahren faltige blaue Doppelkragen aus Tuch. Heute herrscht das schwarze Tuch vor, die weißwollenen Socken werden über die Hosen gezogen, dazu > tragen die Männer Lederpantoffeln oder in: lvinter „Holz- j
! kluinpa", die Burschen Lederstiefel. Die langen Haare I und das glattrasierte Antlitz ist auch von: Schnnrrbart ! und der kurzgeschoreuen Haartracht verdrängt worden. von alten Sitten werden in Tevel noch gepflegt: das Hoschtube- oder z'Lichtgehen, d. h. das Spinnftnbengehen in: lvinter, wobei alte deutsche Lieder und Balladen von der Jugend gesungen werden; das Maibanmsetzen an: i. Mai, das Pfingstlümmelführen an: Pfingstmontag nud das finden i t. Rovember, an: Martinitag festgesetzte Freßkir- tagfest, das drei volle Tage währt H. Seinerzeit gaben die Teveler lveingärten vortrefflichen lvein, seit die phylloxera die Reben vernichtet, wird wenig lvein gebaut. Bcrühnrt sind die Teveler viehmärktc, den die ausländischen Händler wegen der bekannt trefflichen Rindviehgattung, die nian „Bonyhäder-Schlag" nennt, scharenweise besuchen. Die vernichteten Weingärten und einige schlechte Jahre zwangen viele znm Auswandern, was aber der Gemeinde nicht znm Schaden wurde, denn die „Amerikaner" brachten nach einigen Jahren Geld mit und ein ganz neues, das „Amerikanische viertel", ist von den: ersparten Gelde entstanden. Du der Gemeinde befindet sich noch eine Tholerakapclle und die Rosalienkapelle, die znm Kastell gehört, welches ehemals die Familie von Döry besaß, das aber jetzt das Eigentun: des Großgrundbesitzers Hanns Stockinger von Ankerstock ist. Du der Schule wird in madjarischer Sprache unterrichtet, die predigt in der Kirche aber ist noch deutsch, und durch und durch deutsch in: Wesen geblieben sind bisher die Teveler, das verrät ihre unverfälscht schwäbische Sprache.
Sie Ausrottung -er -euttciien Volksschulen in -er Königlichen Vreitta-l Megg un- in -er Virovitilner Hespanlcliatt (kroatten-bluwonien) in -en leiten -rei
laliröeliitten.
von
Dr. Andreas Euch in Eandskron (Dentschböhmen).
Mit einer graphischen Darstellung, s. Tafel 2Z.
Die Entnationalisierung der deutschen Volksschulen in: Virovilitzer Komitat H ist ein klassisches Beispiel dafür, wie in reindeutschen Dörfern den Deutschen der ungarischen Ueichshälfte (sHsO: 2037H33) die deutschen Schulen überall systematisch geraubt werden. Bus diesen: Grunde habe ich die Umwandlung der deutschen Schulen gerade in dieser Gespanschaft genauer dargestellt.
Im Zahre s888 kam für Kroatien-Slawonien, welches unter andern: auch im Unterrichtswesen gegenüber Ungarn autonom ist, ein neues volksschnlgesetz heraus, das den Deutsche,: die Errichtung und Erhaltung deutscher Volksschulen auch weiterhin gestattet, aber hinzusetzt, daß auch die serbokroatische Sprache, wenn sie sich in einem deutschen Orte schon eingebürgert hat. die Unterrichtssprache sein kann, während dann die Muttersprache nur obligater Unterrichtsgegenstand ist.
lvie wurde nun dieses Gesetz durchgeführt? von dei: s 7 deutschen Volksschulen, die damals im Virovititzer Komitat bestände,:, wurden zwei in Budakovac und Enkav schon bei»: Erscheinen des Gesetzes kroatisiert. Du der Praxis wurde das Ivort „kann" ganz einfach durch ein „muß" ersetzt, so in Deutsch-Bresnitz und in der Fürstl. Schanmbnrg- Lchposchen Vnsiedlnng Vdolfsdorf.
In den nächsten sieben Zähren trat in der Kroatisiernng der deutschen Schulen anscheinend ein Stillstand ein. Im Zahre s8YO erschienen nämlich der Echrplan und die Instruktionen für
') Komitat Gespanschaft Grafschaft ^ niiijn.