Volume 
12: 1913
Place and Date of Creation
Page
107
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Berichte über neuere Arbeiten zur Deutschkunde.

bisher" undseitherig" stattbisherig" gebraucht. wenn er es ganz bewußt täte, befände er sich übrigens in diesem Falle in einer ziemlich großen Gesellschaft, während für das Sprachgefühl der Mehrheit der Deutschen und darunter des Referenten diese Verwendung vonseither"

undseitherig" höchst auffällig und anstößig ist. In der Sprache entscheidet ja schließlich der Gebrauch. Da­rum gilt hier der Satz: xrinoipü» obstn! Unser Deutsch würde ärmer, wenn der gerügte Unfug sich durchsetzte.

stenictile üben neuene Arbeiten 2u? Seutklikun-e.

(D. d. ---

Allgemeines. Das Deutschtum im Bus land. von Pros. Dr. Robert Poeniger. (Aus Ratur u. Geistes­welt, H02. Bdchn.) Z 27 S. Leipzig u. Berlin, B. G. Teubner. Geb. t -25 M.

Das Büchlein gibt eine gute und übersichtliche Dar­stellung der geschichtlichen Entwicklung wie der heutigen Lage und Bedeutung des Deutschtums außerhalb des Reiches. Es hält sich von Schönfärberei und Schwarz­seherei in gleichen: Maße fern, schildert und beurteilt die Dinge sachlich, ohne Voreingenommenheit und Ge­fühlspolitik und sieht sie so, wie sie sind. vortrefflich sind die Ursachen der heutigen Lage der D. in Öster­reich und der Verluste des Deutschtums in der Zer­streuung dargestellt und begründet. Für das nordameri- kanische Deutschtum ergeben sich keine günstigen Aus- sichten. Roch ungünstiger steht es in den britischen Kolo­nien, obwohl die englische Regierung keinen Druck aus­übt. Zu berichtigen sind S. Z2 die Angaben über das Vordringen des italienischen volkstums im Tessin und in Graubünden. Gerade hier sind erhebliche Fortschritte des Deutschtums festzustellen. Es liegt wohl eine Ver­wechslung mit der Verdrängung der Italicnischschweizer durch die reichsitalienische Einwanderung vor (vgl.D. Erde > 9 U, S. 869t).

Es ist absichtlich wenig Ziffernwerk dem Text ein- gefügt. Für eine Neuauflage empfiehlt sich die Beigabe einiger Seiten übersichtlicher statistischer Tabellen als An­hang. Auch das Literaturverzeichnis bedarf einer Er­weiterung.

Allgemeines. Die deutsche Sprache im Leben Preußens und des Deutschen Reichs, von Staatsanwalt R. Baumgarten. 8°, Zt 5 . Berlin t 9, vaterl. Schriftenvcrband. HO pf.

Mit diesen: werkchen, das nun schon die 26 . Folge der von dem rührigen vaterländischen Schriftenvcrband (Vorsitzender General Kein:) veranlaßten und verlegten Schriften bildet, hat der Verfasser eine verdienstvolle Arbeit geliefert. Sie gibt zum erstenmal eine Übersicht darüber, inwieweit sich in: D. Reiche in Gesetzgebung und Verwaltung die d. Sprache als einheitlich amtliche Sprache durchgesetzt hat. Daß sie darauf ein natürliches Recht habe und daß von: Standpunkt deutschvölkischen Empfindens ihre alleinige Geltungskraft als selbst­verständlich zu fordern sei, ist der Grundgedanke der Schrift. In Verfolgung dieses Gedankens wird auf Lücken in den: heutigen Stande der bestehenden Vor­schriften hingewiesen, die noch hier und da, besonders in gemischtsprachigen Landesteilen, das Eindringet: fremder Sprächet: in amtlicher Sprachanwcndung gestatten. AIs Gfiinarkkundiger geht der Verfasser hierbei besonders auf die Gstmarkverhältniste ein. Dankenswert ist, daß er in diesen: Zusammenhang auch auf den Inhalt des Zurufes, den unter den: Z5. Mai l 8 l 5 Friedrich

Deutsch.)

Wilhelm lll. ai: die polnische Bevölkerung seiner neuen Landesteile richtete, näher eingeht und die Bedeutung darlegt, die er in Wirklichkeit nationalpolitisch hat und von vornherein haben sollte; wer die Gstmarkenvcrhält- nisse aus eigener Anschauung kennt, hat ja oft genug erfahren müssen, daß dieser Zuruf, der seit Jahrzehnten der nationalpolnischen Bewegung immer wieder den Anlaß znr Berufung auf dasnatürliche und verbriefte Recht der Muttersprache" gegeben hat, gerade die ge­bildeten Kreise der Gstmarkdeutschen zu nationaler weich- herzigkeit hat bestimmet: können. Die Zusammenstellung alles verfügbaren Stoffes ist sehr sorgsam erfolgt. Meines Wissens ist dabei alles berücksichtigt, was von Belang sein könnte.

Allgemeines. Deutsches Sicdlungswesen. von Pros. Dr. Otto Schlüter. (S.-A. aus Reallexikon d. german. Altertums?., hrsg. von Joh. Poops, Bd. l, S. H0259.) Straßburg Karl I. Trübncr.

Der Verfasser, der vor einen: Jahrzehnt eine gründ­liche und vielfach vorbildliche Untersuchung über die Siedlungen in: nordöstlichen Thüringen als ein Beispiel für die Behandlung sicdlungsgeographischer Fraget: hat erscheinet: lassen und seitdem erfolgreiche Studien zur Historische,: Geographie der Rheinlande begonnen hat, bietet in knapper Zusammenfassung von: vornehmlich geo­graphische,: Standpunkt aus eine Darstellung des Sied- lungswescns auf heute d. Boden in: germanischen Alter­tum und in: Mittelalter bis zum Ausgang der Bewegung ostd. Kolonisation. Die klar und anschaulich geschriebene Arbeit beruht auf voller Kenntnis des gegenwärtigen Standes der Forschung, deren mancherlei oft weit von­einander abweichende Aufstellungen mit treffenden: Urteil verwertet werden, und enthält namentlich unter geo­graphischer Problemstellung neue eigene Untersuchnngs- ergebnisse und Anregungen. Der erste Panptteil be­handelt die Entwicklung der Besiedlnngsfläche und gliedert den Stoff nach vier Zeitabschnitten: in: Altertum, ii: der Zeit bis 500 n. Ehr., weiter von 500 bis 800 bzw. 900 und endlich von 800 bis ZZOO. Die wichtigsten ge­schichtlichen Vorgänge der Besiedlung werden vorgeführt; ein geographischer Überblick über die Siedlnngsverhält- niffe ii: den verschiedenen Teilei: Deutschlands mit per- aushebnng der charakteristischen Unterschiede schließt sich in jeden: Abschnitt an; auch einzelne kritische und metho­dische Erörterungen fehlen nicht, unter denen die der (Drtsnainenforschurig gewidmete Auseinandersetzung die größte Bedeutung hat. Besonders bemerkenswert ist trotz des in dieser Veröffentlichung nur möglichen kleinen Maßstabs der erste bisher gewagte versuch, eine Karte der Besicdlungsfläche in Deutschland nach den: Ende der letzten großen germanischen Wandcrbewegungen um 500 n. Ehr.'zu entwerfen: der besiedelte Raum bleibt darauf weiß, Wald und Sumpf in damaliger Ausdehnung sind schraffiert, der heutige Waldbestand ist farbig grün ein-