Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
708
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yo8 VI. Karolinen, Marshall- und Palau-Inseln.

schutzlos jeder Infektion ausgesetzt. Während dieser Epidemie hatte ich Gelegenheit, die evangelischen Missionszöglinge von Ku- saie bei der Pflege der Kranken eingehend zu beobachten. Ich möchte es hier besonders hervorheben, einen wie günstigen Eindruck diese Mädchen machten. Ruhig, fleißig und willig unterzogen sie sich Tag und Nacht den schwersten und unangenehmsten Arbeiten. Hervorragend war auch ihre Disziplin und ihr Gehorsam gegen ihre Lehrerin.

Übrigens sprach keines der Mädchen ein Wort Englisch. Die Verständigung der Schülerinnen mit ihrer Lehrerin geschah aus­schließlich in der Marshallsprache.

B. Spezieller Krankheitsbericht.

1. Statistisches.

Im ganzen wurden im Berichtsjahre behandelt 70 Europäer und 1012 Eingeborene. Von den Europäern ist keiner, von den Einge­borenen sind 10 gestorben.

Die behandelten Eingeborenen stammten von fast allen Atollen der Ralicks wie der Radacks. Von den größeren Atollen war nur Mejit unvertreten. Auch von Mille kamen nur sehr wenige Pa­tienten. Die meisten Kranken stammten außer von Jaluit von Ebon und Arno.

2. Krankheiten des Nervensystems.

Ein etwa 35 jähriger Europäer, der bereits in der ganzen zwei­jährigen Zeit seines Hierseins Anfälle von heftigen Kopfschmerzen gehabt hatte, erkrankte plötzlich mit allen Symptomen gesteigerten Hirndruckes.

Der weitere Verlauf der Erkrankung ließ es nicht zweifelhaft er­scheinen, daß es sich um eine beginnende Hirngeschwulst an der Basis, möglicherweise in der Hypophysengegend handelte. Es war auf beiden Augen, besonders ausgesprochen auf dem linken Auge, Stauungspapille vorhanden sowie eine diffuse Retinitis mit Exsudaten.

Anfangs traten auch vorübergehende Geistesstörungen auf. Die Reflexe waren gesteigert, Romberg positiv. Gesichtsfeldeinschränkungen waren nicht zu konstatieren. Dagegen bestand eine starke Schielstellung des linken Auges infolge Abducenslähmung und dadurch bedingt Doppel­sehen, ein Symptom, das den Patienten sehr quälte.

Übelkeit und Erbrechen traten zeitweise auf; der Stuhlgang war von Anfang an angehalten. Der Puls war nicht verlangsamt.

Da eine luetische Natur der Erkrankung nicht von der Hand zu weisen war, leitete ich eine energische Schmierkur ein, die auch insofern einen Erfolg hatte, als die Schmerzanfälle seltener auftraten und die Abducenslähmung nachließ.

Im übrigen war die Behandlung rein symptomatisch. Ein erträg­licher Zustand konnte nur durch Morphium in Dosen von 0,02 geschaffen