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IV. Südwestafrika.
Karibib, Aus, Omaruru. Für die beiden Plätze Lüderitzbucht und Aus ist auch die Abfuhr der Spülwässer auf dem Verordnungswege geregelt (1906 und 1907). Außerdem gibt es an allen Plätzen Verordnungen zur Reinhaltung der Straßen und öffentlichen Plätze.
Eine Quarantäneverordnung besteht bisher nicht, entsprechende Anweisungen werden von Fall zu Fall an die Lokalbehörden der Küstenplätze erlassen. Dem Landesrat 1912 wird die für Kamerun und Togo bereits gültige Verordnung zur gesundheitspolizeilichen Behandlung der Seeschiffe vorgelegt werden, welche die Vorschriften zur Verhütung der Einschleppung von gemeingefährlichen Krankheiten regeln wird.
Eine für das ganze .Schutzgebiet allgemein gültige Anzeigepflicht für ansteckende Krankheiten ist bisher nicht eingeführt, einzelne lokale Polizeiverordnungen sind vorhanden (Windhuk 1904, Swakopmund 1902, Lüderitzbucht 1907, Keetmanshoop 1905). Eine Verordnung, welche die Anzeigepflicht und die allgemeinen Grundsätze für eine Seuchenbekämpfung regeln wird, soll ebenfalls dem Landesrat 1912 vorgelegt werden.
Auch eine auf dem Verordnungswege geregelte obligatorische Schutzpockenimpfung ist bisher nicht eingeführt; eine Impfverordnung wird zu diesem Zwecke dem Landesrat 1912 vorgelegt werden.
II. Gesundheitsdienst.
11. Seuchenbekämpfung.
Für die Bekämpfung von Typhus, Ruhr und Malaria sind in erster Linie die Grundsätze einer Bau- und Städtehygiene, Regelung der Wasserversorgung und des Abfuhrwesens, Vernichtung der Moskitobrutplätze als öffentliche Maßnahmen durchzuführen. Unter den hiesigen, noch unfertigen, einem steten Wechsel unterworfenen und noch recht primitiven Verhältnissen stößt die Bekämpfung auf viel größere Schwierigkeiten als in der Heimat. Was bisher eine allgemeine Verbreitung von Seuchen hier im Lande noch verhindert hat, sind nicht die öffentlichen oder privaten Maßnahmen, die meist zu spät einsetzen, sondern die äußerst dünne Bevölkerung und der geringe Menschenverkehr. Auch dieser bisher günstige Faktor wird mit dichterer Besiedelung und der Zunahme des Verkehrs durch die Eisenbahnen zurücktreten.
Die dringendste und wichtigste Seuchenbekämpfung ist zur Zeit das systematische Vorgehen gegen die unter den Eingeborenen ziemlich allgemein, aber auch unter einem großen Teil der Weißen enorm verbreiteten Geschlechtskrankheiten, die an Bedeutung in bezug auf Volksgesundheit und Volkswirtschaft sämtliche anderen Infektionskrankheiten hier weit in den Hintergrund stellen. Über die bei den einzelnen Infektionskrankheiten bisher getroffenen Maßnahmen, Pockenimpfung usw. ist unter Ziffer 17 und 21 näheres erwähnt.