Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
354
Einzelbild herunterladen
 

354

V. Deutsch-Xeu-Guinea. A. Herbertshöhe.

ganze Kolonie. Ferner befindet sich hier noch ein aus Buschmaterial aufgeführtes Krankenhaus neben der Mädchenschule, in dem 6 bis 7 Kinder untergebracht werden können. Zwei Schwestern dienen der Krankenpflege. Der Arzt besucht die Missionsstation in jeder Woche einmal.

III. Krankenbewegung.

1. Europäer.

Im ganzen wurden 304 Kranke behandelt. Von den 286 in Zu­gang Gekommenen waren 200 Männer, 49 Frauen, 31 Kinder. Gouvernementsangehörige nebst Familienmitgliedern waren 92, An­siedler von fremden Firmen und Missionen 194, von Kriegsschiffen 8 einschl. Marineexpedition. Im Krankenhause wurden 93 Personen behandelt, 76 Männer, 17 Frauen, mit zusammen 1265 Verpflegungs­tagen. Gestorben sind im Berichtsjahr 12 Europäer, davon 2 im Krankenhause; 2 Kranke endeten durch Selbstmord.

Einige Fälle verdienen besondere Erwähnung.

a) Ein 35jäliriger Angestellter einer hiesigen Firma erhielt am 22. April 1908 auf Manns (Admiralitiitsinseln) einen Speer stich mit einem Obsitlianspeer in den Kücken in der Höhe der fünften Rippe. Be­fund bei der Aufnahme in Herbertshöhe: Hiimothorax von der sechsten Rippe abwärts, kein Husten, kein Auswurf. Reichliche Sekretion blutig seröser Flüssigkeit aus der Wunde, bei welcher ein Obsidiansplitter von 1 cm Länge, 0,5 cm Breite eines Tages abgestoßen wurde. Da trotz der sehr reichlichen Sekretion die Flüssigkeitsansammlung perkutorisch keine wesentliche Abnahme zeigte, da ferner nach drei Wochen die Ab­sonderung einen leicht eitrigen Charakter annahm, und Staphylocoec.en in demselben gefunden wurdep, da das Körpergewicht abnahm und abendliche Temperatursteigerungen auftraten, so wurde die Resektion der neunten Rippe vorgenommen und das Empyem entleert. Das Fieber hörte sofort auf, die Kräfte hoben sich und das Gewicht nahm zu. Am 10. Juli trat der Kranke zur weiteren Kräftigung und Genesung seine Heim­reise an.

Am 2. November trat er in die Behandlung von Professor Len- li a r t z in Hamburg', der neun Rippen in einer Gesamtlänge von 70 cm in einer zweistündigen Operation entfernte. Die in eine straffe Membran eingehüllte, rechte Lunge war wie ein plattgedrückter Lappen gegen die Lungenwurzel und Wirbelsäule derartig angepreßt, daß man keine Spur von Atembewegungeil wahrnehmen konnte. Die quetschende Membran wurde entfernt und die Lunge enthüllt, die sich noch als gut ausdehn­bar erwies. Die völlige Heilung wurde noch durch eine Nierenentzündung unterbrochen, ging dann aber rasch vor sich. Der Kranke nahm von 53 kg bis auf 70 kg zu und ist nach dem Gutachten von Professor Len- hart z wieder vollkommen. tropendienstfähig.

b) Ein Fall von Fliegen! a r v e n k r a n k h eit, die bisher hier noch nicht beobachtet ist, kam bei einem jungen Pflanzer vor, welcher sich sein Leiden in Kamerun beim Wegebau in Jaunde geholt hatte. Er gibt an, damals von Plelin und Ziemann nach Deutschland zurückgeschickt worden zu sein; auch sei er in Hamburg im Institut für Tropenkrank­heiten behandelt worden. Hier im Bismarck-Archipel sei sein Leidien wieder aufgetreten. Die Krankheitserscheinungen entsprechen der Schil­derung der Symptome, wie sie Mense und Sclieube gegeben haben. Leider entzog sich der Kranke durch Rückkehr auf seine 45 km von hier ent­fernte Station der Behandlung und weiteren Beobachtung.

c) Am P u e r p eralfieb e r starb die Frau eines Kapitäns, welche auf einer entfernten Station ohne ärztliche oder sonstige sachverständige