Hygienische Verhältnisse. Ansteckende Krankheiten.
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Auch der Eingeborene trinkt seinen selbstbereiteten Palmwein oder den gekauften Gin gewöhnlich nicht im Übermaß, so daß öffentliche Trunkenheit nur ausnahmsweise und dann vorzugsweise bei den pseudo-kultivierten Hosenniggern vorkommt.
8. Die Gefangenen
und ihre Unterkunft werden bestimmungsgemäß allmonatlich vom Regierungsarzt besichtigt. Sie sind in Palime im Hause des Polizeimeisters untergebracht, und zwar in einem großen hellen, stets gut gelüfteten Raume mit glattem Zement-Fußboden und Kalkwänden, so daß genügende Reinigung gewährleistet ist. In Misahöhe ist die Unterkunft in kleineren Räumen eines alten Hauses weniger günstig, doch entspricht sie zum mindesten den Verhältnissen, an die die meisten Insassen zur Zeit ihrer Freiheit gewöhnt waren. Die Ernährung ist durchaus reichlich, Klagen habe ich nie gehört. Sehr reichlich bemessen ist auch die Zeit, die den Leuten zu ihren Mahlzeiten gewährt wird: es gibt wohl nicht so sehr viele Arbeiter, die sich wie unsere Gefangenen z. B. eine Frühstückspause von einer Stunde leisten können. Nur ein Mangel ist festzustellen, daß nämlich bisher ein Krankenraum für sie fehlt. Er ist in dem Plan des neuen Krankenhauses mitaufgenommen.
IV. Ansteckende Krankheiten.
a) Lepra. Über die im vorigen Jahresberichte erwähnte Lepra, die im Misahöhebezirk vorkommt, ist im Laufe des letzten Jahres nichts bekannt geworden.
b) Pest. Die Anfang 1908 in der benachbarten Goldküstenkolonie aufgetretene, aber wieder erloschene Pest epidemie machte sich Anfang August wieder geltend. Sie forderte auch für den diesseitigen Bezirk Maßnahmen gegen ihr Übergreifen über den als Grenze dienenden Volta-Fluß. Es wurden mehrere Quarantäne-Stationen angelegt. Erkrankungen kamen nicht vor. Nach Erlöschen der Seuche im September 1908 konnten die Stationen Avieder aufgehoben Averden.
c) Im August Avurden Pocken beobachtet bei zAvei Iiaussa- Leuten. Diese ziehen als Händler viel im Lande umher, so daß die Ansteckungsquelle nicht leicht zu eruieren ist; auch hier blieb sie unbekannt. Doch gaben diese Fälle Veranlassung zu Impfungen in den Ortschaften ZAvischen Misahöhe und dem Agu-Berge soAvie südlich von diesem. Es sind von August bis November etwa 3513 Personen geimpft Avorden. Auch Avurde auf Antrag des Regierungsarztes der ImpfzAA r ang auf Palime ausgedehnt. Es AA r urde Trockenlymphe ver- AA^endet mit angeblich zufriedenstellendem Erfolge; genauere Daten fehlen.
d) Gegen M a 1 a r i a Avird mit Erfolg durch Vertilgung der Mückenbrut gekämpft. Der eigens hierzu angestellte farbige Gesund-