Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
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Krankenanstalten. Hygienische Verhältnisse.

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seiten befindlichen Veranden von je 2 in Breite mitgezählt. Die Höhe der Zimmer beträgt 3,30 m. Erdgeschoß wie oberes Stockwerk haben je 6 Räume, davon haben im Erdgeschoß 2 Räume keine andere Öffnung wie die Türe. Glasfenster sind nicht vorhanden, die Öffnun­gen werden mit massiven Holzläden verschlossen. An Einrichtung ist nur das Notwendigste vorhanden: 12 einfache Holzbettstellen mit dicken Strohmatten. Die Verpflegung geschieht ausschließlich durch Familien-Angeliörige. Küche, Abort, Baderaum sind in primitiver Eingeborenenart im Freien errichtet. Provisorisch wurde ein altes Zimmerklosett des Naclitigal-Krankenhauses aufgestellt, um die gröbste Verunreinigung des seichten, offenen Brunnens hintan zu halten. Die ganze Anlage ist am 1. Januar 1908 in Betrieb genommen worden.

Das Krankenhaus steht in einem kleinen, erst in Entwicklung begriffenen Garten, der mit einem Palmrippenzaun eingefriedigt ist. Nach Vervollständigung der Ausrüstung können etwa 20 Kranke auf­genommen werden. Ein Zimmer im Erdgeschoß wird von dem je­weils diensthabenden Heilgehilfen bewohnt. Operationen und Nach­behandlung werden im Operationssaal des Naclitigal-Krankenhauses bzw. in der Eingeborenen-Poliklinik vorgenommen; die Beförderung der Kranken geschieht in einer Tragbahre.

HI. Hygienische Verhältnisse, a. Sanierung der Stadt.

Die allgemeinen hygienischen Verhältnisse in Anecho haben sich im Berichtsjahr weiter verbessert. Der auf der Nehrung gelegene Hauptteil Anechos macht einen sauberen, freundlichen Eindruck. Die Verordnung, wonach Strohdächer in diesen Teilen der Stadt nicht mehr erneuert werden dürfen, macht sich in ihren wohltätigen Folgen mehr und mehr bemerkbar. Es stehen zwar noch immer, besonders auf der Strandseite auf kleinem Raum baufällige Hütten und Minia­tur-Hütten, doch ist ihres Bleibens sicherlich nur mehr kurze Zeit. Die Sanierungsarbeiten an der Lagune sind bis auf 2 Stellen als vor­läufig beendet zu betrachten. Die eine dieser Stellen ist die Halb­insel von Badji, die bei Niveauschwankungen der Lagune einen Sumpf mit vielen Tümpeln darstellt, die andere ein kaum 100 m langes Stück am Ostende der Stadt, wo die Fortsetzung der Quaiauf­schüttung noch aussteht. Die Hauptbrutstätten der Mücken sind überhaupt nicht im Weichbilde der Stadt zu suchen, sondern in den Inundationsgebieten westlich und nördlich von Degbenu. Hier stellt vor allem ein 150 m langer, an den breitesten Stellen 5 in messender ehemaliger Lagunenarm, der nach dem Fallen des Hochwassers nicht mehr mit der Lagune in Verbindung steht und eine Reihe von etwa 10 Tümpeln bildet. Die einzelnen Wände lassen sich durchstechen und auch der etwa 12 m lange Riegel gegen die freie Lagune beseiti­gen. Dadurch nimmt dann dieser Arm den Charakter eines Fisch­grabens an, wie sie auch sonst massenhaft in der Nähe.Anechos von

Medizin.ilhcriclite über die deutschen Schutzgebiete. lüGsii'.i.