Her Einfluss der ttaaMctien KeNedlung in Polen und ^estpreutsen auf die SstpaclienAugeliöl'lgKell der Semeinden.
von Kans u>endland.
(Mit Sonderkarte 5.)
Nach den Ergebnissen der Zählung vom 1- Dezember 1.890 zählt die Zeitschrift des Kgl. preußischen statistischen Büros, XXXIII. Jahrg. 1895/ auf Seite 256ff. in den überwiegend polnischen Kreisen die überwiegend deutschen und in den überwiegend deutschen Kreisen des gemischtsprachigen Gebiets die überwiegend polnischen Gemeinden auf. Die Bearbeitung der Zählungs- ergebnisse vom 1. Dezember 1900 in der Festschrift des Kgl. preußischen Statistischen Büros l) ^905, Teil II, S. 11 ff., gibt insofern genauere Angaben, als sie in den überwiegend polnischen Kreisen getrennt die Gemeinden aufzählt, in denen 50—75 und in denen über 75 v. der Bevölkerung deutsche Muttersprache besaßen, ferner die Gemeinden, die zu 50—75 v. Lj. polnische Muttersprache besaßen, und ebenso in den überwiegend deutschen Kreisen die Gemeinden, die zu 50—75 und die über 75 v. der Bevölkerung überwiegend polnische Muttersprache besaßen, und ferner die Gemeinden, in denen 50—75 v. 1^. der Bevölkerung deutsche Muttersprache hatten.
Die Verschiebungen in der Sprachenzugehörigkeit der Gemeinden zwischen ^890 und ^00 lassen sich hiernach bis auf diejenigen Kreise, die ihrerseits die Sprachenzugehörigkeit in dem bezeichneten Zeitraum gewechselt habeu, genau feststellen. Ls handelt sich dabei jedoch nur um die Kreise Thorn, Birnbaum uud Neutomischel, die ^890 noch überwiegend deutsch, 1900 schon überwiegend polnisch waren. I^ier würden sich die Gemeinden, die aus überwiegend deutschen zu über 75 v. polnische geworden sein sollten, erst unter Zuhilfenahme der Ortsverzeichnisse ermitteln lassen, jedoch können die wenigen Gemeinden, die bei der Größe dieses Sprunges etwa in Betracht kommen, das Gesamtbild der Lage nicht verändern.
Din ganzen ist diese Gemeindestatistik nicht geeignet, uns ein zutreffendes Bild von der Verschiebung in dein Besitzstande der beiden Nationalitäten zu geben. Ls können in einer Gemeinde sehr große Verluste z. B. des Deutschtums zu verzeichnen sein, ohne daß diese doch in der Statistik zum Ausdruck kämen, einfach weil sie sich diesseit oder jenseit der Grenze von 50 v. bewegt haben. Anderseits kann auch in größeren Gemeinden der Zu- oder Fortzug einer Familie genügen, um in der Statistik zu einen: Nationalitätenwechsel der Gemeinde zu führen. In Kreisen mit seßhafter Bevölkerung können daher erhebliche nationale Verschiebungen festzustellen sein, ohne daß deshalb gerade eine größere Anzahl ganzer Gemeinden solcher Verschiebung unterworfen gewesen wäre. Die rein zahlenmäßige, nicht durch die Kenntnis der örtlichen Verhältnisse oder durch die Statistik größerer Einheiten berichtigte Betrachtung gelangt auch dadurch leicht zu Trugschlüssen, daß die Gemeinden als gleiche Größen behandelt werden, während doch die nationalen Verluste in einer Reihe von Gütern oder Dörfern durch den Gewinn nur einer größeren Gemeinde ausgeglichen werden können. Gleichen sich solche Zufälligkeiten auch nach dein Gesetz der großen Zahl bis zu eiuem gewissen Grade aus, so zeigt doch eine vergleichung der nationalen Verschiebungen innerhalb der Kreise mit der nationalen Verschiebung der Gemeinden, daß diese Gemeindestatistik als alleiniger Maßstab für die Beurteilung des Fortschritts oder Rückgangs der beiden Nationalitäten wenig brauchbar ist.
1.) Herausg. von Präsident Blenck. I. Teil, Xll u. 271. S. (enthält die Geschichte der Entwicklung des Büros ^seit der Jubelfeier „Landesamt"^ und seiner Arbeiten sowie ein Verzeichnis der bisherigen Mitarbeiter). II. Teil (mit dem I. zusammengebunden), VIII u. ^55 S. (enthält die Tabellen und Übersichten zum statistischen Ntlas, der den III. Teil ausmacht ^XIX u. 1.1.«> Tafeln^). Berlin ^905, Selbstverlag des Statist. Landesaints.
Deutsche Erde. IL0S, 5>, veft, 2 >