ßeriberi oder Kakke (Polyneuritis endemica).
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Die Berichte von Bontius aus Batavia (1627—32), von Tulpius aus Vorderindien und von Piso aus Brasilien (1635—44) lenkten zuerst die Aufmerksamkeit in Europa auf die Krankheit. Unser genaueres Wissen über Beriberi datiert aber erst aus den letzten 30 Jahren.
Geographische Verbreitung und Häufigkeit.
Beriberi hat zwei große geographische Hauptherde: Der eine ist die ostasiatische Inselwelt mit einigen Teilen des angrenzenden Festlandes von Mittelchina bis zur ostindischen Halbinsel, der andere Brasilien und mehrere angrenzende Länder. Dazu kommt ferner neuerdings Afrika, wenn auch in geringerem Grade. Alle diese Gebiete liegen weit überwiegend in der regenreichen tropischen oder subtropischen Zone, doch ist die Krankheit auch aufs gemäßigte, ja selbst aufs kalte Klima übergeschritten (in Nordjapan).
Ostasien. Japan ist wohl das stärkst befallene Land. Die Zahl sämtlicher Fälle ist mit 50000 im Jahr wohl mäßig geschätzt. Die offiziellen Statistiken geben freilich weit niedere Zahlen, da die Mehrzahl der leichten Erkrankungen nicht zur Kenntnis der Behörden gelangt. Die Krankheit, schon seit mehr als 1000 Jahren unter dem jetzigen Namen Kakke bekannt, war bis vor einem Menschenalter fast ausschließlich auf wenige große Städte der Hauptinsel am oder in der Nähe des Meeres beschränkt. Mit der regeren Verkehrsentwicklung durch den Bau guter Straßen, durch Eisenbahnen und Dampfer hat sie sich seither fast über das ganze Land verbreitet, nach Norden bis zu dem sehr kaltklimatischen Yezo (Hokukaido), nach Süden bis Riu Kiu und Formosa (wo besonders die eingewanderten Japaner erkranken), und vom Meer ins Innere bis nach dem 600 bis 900 Meter hohen Plateau von Shinano. Ihr Fortschreiten entlang den Verkehrswegen läßt sich oft deutlich verfolgen.
Das Studium der japanischen medizinischen Literatur legt übrigens den Gedanken nahe, daß in diesem Lande von alters her längere Perioden größerer Verbreitung mit solchen geringerer Ausbreitung abwechselten. Die ersten bekannten Fälle aus dem 7. und 8. Jahrhundert kamen in der ziemlich bergigen Provinz Yamato vor und betrafen kaiserliche Prinzen.
In Korea findet sich die Krankheit überwiegend unter den Japanern in den offenen Häfen Fusau, Chemulpo, Chinampo, sowie in der Hauptstadt Söid. In Chemulpo erfuhr Balz von Dr. Matsumura, daß in dem sehr feuchten Sommer 1902 unter der japanischen Kolonie die sonst ziemlich seltene Beriberi schwer endemisch auftrat, während die sonst um diese Jahreszeit zahlreichen Malariafälle sich nur spärlich zeigten. Erkrankungen unter den Koreanern sind selten.
In China, aus dem die ältesten Berichte der Krankheit stammen, muß dieselbe früher häufig gewesen sein; jetzt ist sie relativ selten. Zwar sind mehr oder weniger zahlreiche Fälle aus fast allen offenen Häfen Mittel- und Südchinas berichtet, von Chifu bis Hongkong, aber nur an letzterem Orte kam es einmal zu einer- stärkeren Epidemie. In Kwantshauwan, in Pakhoi und in Hoihao in Südchina hat Bälz über Beriberi nichts erfahren können.
Um so auffallender ist es, daß die Chinesen auf der m a 1 a y i s c h e n Halbinsel, sowie auf allen Inseln Südostasiens und auch in Fiji und Hawai sehr häufig erkranken, ja es scheint sogar, daß chinesische Kuli (diese sind es fast ausschließlich, die ergriffen werden) die Krankheit in verschiedene Teile der englischen Straits Settlements einschleppten, z. B. in Negri Sembilan, wo die früher unbekannte Beriberi jetzt auch unter den Malayen mehr und mehr um sich greift. Es gibt Bezirke daselbst, wo die Beriberi nicht weniger als 2 ;5 aller Todesfälle unter den Chinesen