Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 171
Die ungeschlechtlichen Generationen unterscheiden sich von den entsprechenden Formen von Haernoproteus vor allem durch ihre Schlankheit, indem sie die von den sogenannten Spirochäten her bekannte Form eines korkzieherartig gedrehten Fadens zeigen. Auch bilden sie kein hämatogenes Pigment.
Die aus der Reihe dieser ungeschlechtlichen Generationen sich differenzierenden Gametocyten sind dagegen durch ihre erhebliche Größe ausgezeichnet, die es ihnen unmöglich macht, gleich den Gametocyten in rote Blutkörperchen einzudriugen. Anstatt dessen nehmen sie vielmehr umgekehrt die Erytliroblasten in ihren eigenen Körper auf. Unterschiede der beiden Geschlechter voneinander, Reifung, Befruchtung und Ookinetenbildung ähnlich wie bei Haernoproteus.
Ganz abweichend und besonders charakteristisch ist daun aber für Leucocytozoon das weitere Schicksal der Ookineten, in dem diese zunächst beträchtlich heranwachsen und dann auf Grund eines von mir als Sporogonie bezeichneten Vermehrungsvorganges sehr zahlreiche Spirochätenformen aus sich hervorgehen lassen. In Übereinstimmung mit Haernoproteus lassen sich jedoch unter den Ookineten ■sowohl wie unter den aus diesen hervorgehenden Spirochäten wieder indifferente, männliche und weibliche Formen unterscheiden. Indessen ist die morphologische Ähnlichkeit dieser männlichen und weiblichen Spirochätenformen mit den Gameto- ■cyten eine wesentlich geringere als bei Haernoproteus.
Die vollständige Entwicklung in der geschilderten Weise ist nur von einer einzigen Art bekannt, dem Leucocytozoon ziemanni (Lav.), welches wie Haernoproteus noctuae in Glaucidium noctua (Betz.) und Culex pipiens L. schmarotzt. Außerdem gehören aber anscheinend zu Leucocytozoon noch einige andere Arten, von denen bisher nur ein Teil der im Zwischenwirt lebenden Entwicklungsstadien bekannt ist.
Nur die an Leucocytozoon ziemanni erinnernden Gametocyten kennt man von Parasiten der Krähe und Elster, welche in der nachstehenden speziellen Besprechung der Gametocyten von Leucocytozoon mit berücksichtigt siud.
Umgekehrt kennt man fast nur die ungeschlechtlichen Spirochätenformen von einigen Arten ( Spirochaete recurrentis Lebert, Spirochaete anserina Sacharoff u. a.), die auf Grund unserer derzeitigen Kenntnisse meines Erachtens am besten als ungenügend bekannte Arten der Gattung Leucocytozoon betrachtet werden, die aber aus praktischen Gründen noch nicht in der folgenden speziellen Schilderung der Leucocytozoen, sondern erst in einem sich anschließenden besonderen Kapitel im Zusammenhang mit anderen „Spirochäten“ behandelt werden sollen.
b) Die ungeschlechtlichen Spirochäten-Generationen im Vogelblut.
Die ungeschlechtlichen Generationen von Leucocytozoon ziemanni (Lav.) gleichen, wde bereits erwähnt, in ihrer allgemeinen Form, die mit einem korkzieherartig gedrehten Faden verglichen werden kann, und in der Art iln*er Bewegung den sogenannten Spirochäten (vgl. S. 180 f.). Trotz der großen Schlankheit ihres Körpers ist es aber Schaudinn gelungen, bei ihnen alle für das Schema der ein- geißligen flagellaten Blutparasiten charakteristischen Kennzeichen (Kern, BJepharo- blast, undulierende Membran und Fortsetzung der letzteren in eine freie Geißel) nachzuweisen (vgl. hierzu Fig. 42 a auf S. 179), da diese ungeschlechtlichen Formen des Vogelblutes in ihrer Morphologie und Entwicklung völlig den dort abgebildeten indifferenten Formen aus den MALiUGHi'schen Gefäßen von Culex entsprechen.
Wie bei Haernoproteus setzen sich auch bei Leucocytozoon die ungeschlechtlichen Formen periodisch an der Oberfläche von Erythrocyten fest und während dieser Ruheperioden erfolgt das Wachstum. Auch hier also finden wir wieder den regelmäßigen Wechsel von Perioden der Ruhe und des Wachstums mit solchen der Vermehrung. Die Festsetzung erfolgt anscheinend nur in den Organen und im