Jahrgang 
1911: 1907/1908
Entstehung
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I. Allgemeines.

Das Gouvernement war bestrebt, die samoanische Selbstverwaltung weiter zu entwickeln und zu einem Werkzeug für die Erziehung der Eingeborenen auszuge­stalten. Zwei Aufgaben traten diesmal in den Vorder­grund, die Landfrage und die Kreditfrage. Eine eingehende Untersuchung der Grund- und Bodenverhältnisse ergab, daß das noch im Eigentum derSamoaner verbliebene kultur- fähige Land für sie gerade ausreicht, und daß deshalb die Abgabe von Grund und Boden an Europäer fortan nicht mehr gestattet werden kann. Wie sich auf der im August stattgehabten Versammlung der Distriktsabgeordneten herausstellte, entspricht ein solches Verbot auch den Wün­schen des samoanischen Volkes. Nachdem nunmehr durch entsprechende gesetzliche Maßregeln den Samoanern der ungestörte Fortbesitz ihres Grund und Bodens gesichert ist, entsteht für die Regierung die weitere Sorge, die samoa­nischen Besitztitel festzustellen, damit dem Eingeborenen der Ertrag des Grundstücks, das er bearbeitet, gesichert ist. Dies ist die Tätigkeit der schon seit einigen Jahren be­stehenden, aus Weißen und Eingeborenen zusammengesetzten Land-Titel-Kommission, deren Tätigkeit nunmehr voraus­sichtlich anwachsen und eine Neuorganisation erforderlich machen dürste.

Das Schuldenmachen hatte unter den Eingeborenen, deren sorglosem Naturell Maß und Verantwortlichkeits­gefühl unbekannt sind, derart zugenommen, daß ein all­gemeines Verbot des Kreditgebens unabweisbar erschien. Im Zusammenhange damit hat die Regierung Schritte getan, auch einige andere Weltstände, die im Koprahandel zwischen Eingeborenen und Europäern zutage getreten waren, zu unterdrücken. Diese Maßnahmen müssen mit Vorsicht getroffen werden, um eine Beeinträchtigung des legitimen Handels zu vermeiden, und sind zur Zeit noch nicht abgeschlossen.

Die allgemeinen Beziehungen zwischen Europäern und Eingeborenen waren gut.

Im Berichtsjahr wurden die Vorbereitungen für einen weiteren, den vierten Transport chinesischer Arbeiter getroffen, der inzwischen im Schutzgebiet angelangt ist. Wenngleich die Chinesische Regierung bisher stets die Erlaubnis zur Anwerbung erteilt hat, so war doch in letzter Zeit ein gewisser Widerstand zu überwinden, der auf eine grundsätzliche Abneigung der in ihren: nationalen Selbstbewußtsein erstarkten gebildeten Kreise Chinas gegen die Arbeiterausfuhr zurückzuführen ist. Einige Beschwerden chinesischer Kontraktarbeiter fanden den Weg in die chinesische Presse und wurden dort in stark übertriebener Form zugunsten eines Verbotes weiterer Anwerbungen ausgenutzt. Die Chinesische Regierung sah sich dadurch veranlaßt, nach eingeholter Zustimmung der deutschen Regierung einen Sonderkommissar zur Untersuchung der Lage der chinesischen Arbeiter nach Samoa zn entsenden. Der Kommissar hat sich etwa vier Wochen im Schutzgebiet aufgehalten und sämtliche Betriebe, in denen chinesische Arbeiter beschäftigt werden, besucht.

Samoanische Selbst­verwaltung.

Arbeiter.