ä. Oji-Karolinen.
I. Allgemeines.
Die Reihe der Unglücksjahre für das Jnselgebiet der Taifune.
Ost-Karolinen scheint immer noch nicht abgeschlossen zn Wirtschaftliche seül. Wieder ging ein Taifnn durch das Gebiet und verheerte einige Inseln. Am 30. April 1907 starb unerwartet am Hitzschlag der Regierungsrat Berg, der seit 1901 als geschäftsführender Vizegouvernenr an der Spitze der Verwaltung stand. Am 13. Juni strandete der Re- gierungsmotorschuner „Ponape" auf der Fahrt von Saipan nach Ponape bei der Hall-Gruppe und ging vollständig verloren.
Der Verlust der „Ponape" war besonders deshalb empfindlich, weil er zn einer Zeit erfolgte, als ein Eingreifen auf den durch den März-Taifun vorigen Jahres verwüsteten Mortlock-Jnseln dringend nötig war. Dieser Taifun, der am Charfreitag 1907 die Oleai- und Mog- mog-Gruppe der West-Karolinen in schwerster Weise heimsuchte, hatte sich in der Nähe voll Ponape gebildet (Annalen der Hydrographie und Meteorologie 1907) und seinen Weg über die zn den Ost-Karolinen gehörigen Mortlock-Jnseln genommen. Diese zn mehreren selbständigen Atollen gruppierten Koralleninseln erheben sich nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, sind mit Kokospalmen dicht bestockt und stark bevölkert. Vor dem Taifun lebten auf mehr als 10 der größten Riffinseln zusammen etwa 3600 Menschen. Ihre Hauptnahrung bildeten neben der Kokosnuß besonders die Brotfrucht und der Taro. Im Taifnn stürzten oder bracheil nun sämtliche Brotfruchtbäume nieder, eine hohe Flutwelle zerstörte die Taro- felder und nahm 272 Eingeborene mit fort. Die Kokos- bestände wurden zwar nicht in dem Maße zerstört wie auf Oleai und Mogmog, d. h. nicht entwurzelt und dauernd vernichtet, Wohl aber ihrer Blüten und Fruchtansätze beraubt und so auch 2 bis 3 Jahre ertraglos gemacht. Um der drohenden Hungersnot zu begegnen, wurde nun wiederholt der Reichspostdampfer „Germania" angefordert, um Nahrungsmittel nach Mortlock und von der notleidenden Bevölkerung so viel Leute als möglich nach Ponape zu bringen. Auch der Gouvernementsdampfer „Seestern" konnte sich an dem Rettnngswerk beteiligen. So wurden zusammen 1482 Eingeborene nach Truk und Ponape gebracht, wo sie zum Teil beim Amt und den Firmen, zum größeren Teil aber bei den Po- nape-Eingeborenen als Arbeiter Aufnahme und Beschäftigung fanden,' weitere 46 wurden auf Saipan angesiedelt.
Wie anderwärts zeigte es sich auch hier, daß die Eingeborenen nur ungern ihre alte, weiln auch zerstörte Heimat verlassen. Zum größten Teil mag dies Widerstreben einem unmittelbaren Verbot der Häuptlinge zuzuschreiben sein, die mit den auswandernden Untertanen ihren Einfluß schwinden sehen. Auch keimen diese Natur- kinder nicht die Sorge für den kommenden Tag, und so lange ihr Vorrat an den herabgewehten Kokosnüssen oder an deni gelieferten Reis hinreicht, denken sie nicht an die