I. Allgemeines.
Während des Berichtsjahrs wurden die Arbeiten der deutsch-portugiesischen Rovuma-Njassa-Grenzexpedition beendet. Durch diese Grenzregulierung hat das Schutzgebiet einen Gebietszuwachs von ca. 500 Quadratkilometer, größtenteils gut bewaldeten, sehr wasserreichen Gebirgs- landes gewonnen.
Die mit dem Kongostaat entstandenen Differenzen bezüglich des Besitzes von Kateruzis Dorf am Nordwest- ufer des Kivu-Sees sind nach Schluß des Berichtsjahrs beigelegt worden. Das streitige Gebiet wurde einstweilen neutralisiert.
Die Pazifizierung der Kolonie ist nunmehr vollkommen durchgeführt. Die bekannten Rebellenführer Rupia (Langenburg) und Ngozi Ngozi (Ssongea) sind — allerdings erst nach Schluß des Berichtsjahrs — unschädlich gemacht worden, ein Erfolg, der den unermüdlichen Verfolgungen der Polizeitruppe zuzuschreiben ist. In den vom Ausstande besonders schwer heimgesuchten Bezirken Kilwa, Ssongea und Mahenge reichen die Folgen jedoch noch weit in das jetzige Jahr hinein und werden Wohl auch noch im kommenden Jahre zu spüren sein. Viele Leute hatten sich im Busch verkrochen und verabsäumt, größere Felder anzulegen' es kam noch hinzu, daß teilweise infolge Dürre Mißernten auftraten. Die Folge davon war stellenweise eine Abwanderung der Bevölkerung nach Gegenden mit besseren Lebensbedingungen. Nur im Bezirke Lindi können die Nachwirkungen des Aufstandes als völlig behoben betrachtet werden. Die dort früher beobachtete Abnahme der Bevölkerung infolge der Zusammenstöße mit der Truppe, die Abwanderung über den Rovuma und die Ende 1906 ausgebrochene Hungersnot wurde durch eine Zuwanderung aus dem Ssongea-Bezirk und die ausnahmsweise günstige Ernte 1907 ausgewogen.
Das Verhältnis der einzelnen Behörden zu den Eingeborenen war durchweg gut. Teilweise waren die Lokalbehörden in der Lage, der Bevölkerung in augenfälliger Weise die Vorteile des Friedens und die nachteiligen Folgen eines Aufstandes vor Augen zu führen, indem die meisten der an dem Aufstande beteiligten farbigen Häuptlinge ihrer verdienten Strafe zugeführt und durch neue aus der Zahl der Treugebliebeueu ersetzt werden konnten. Nachdem die Stärke der Schutztruppe gegen früher sich erheblich erhöht hat, erschien eine nebenamtliche Wahrnehmung der Jntendanturgeschäfte durch den Finanzdirektor nicht mehr durchführbar. Es wurde deshalb durch den Etat 1907 eine Intendantur mit dem Sitze in Daressalam errichtet, die an: 1. August 1907 in Tätigkeit trat.
Die Organisation der Lokalverwaltung erfuhr keine wesentliche Veränderung. Die bisher nur im Prinzip erfolgte Trennung der beiden Residenturen Urundi-Ruanda - wurde mit dem 15. November 1907 tatsächlich durchgeführt. Die Residentur Urundi wird von Usumbura aus verwaltet, während die Verwaltung von Ruanda in Njarugenge ihren Sitz hat. Im Juni 1907 wurde die Forstverwaltuug im Kilimandjaro-Gebiet mit dem Sitze in Aruscha unter Leitung eines Forstassessors eingerichtet.
Der Gouvernementsrat trat am 17. Mai 1907 zu einer Sitzung zusammen. Gegenstand der Beratung waren der Etatsentwurf für das Rechnungsjahr 1908, der Ent-
Territorium und Landfrieden.
Folgen des AnistandeS.
Anlage L. Seite 2,ii.
Verwaltung und 6>esetz- gebiing.