Zürich 1918 (§08 S., Preis 6,60 M.). Die Übersetzung gibt ein deutliches Bild vorn Original und macht keinen Versuch, auch die häßlichsten und gemeinsten Worte, die darin vorkommen, irgend zu verhüllen oder abzutönen. Störend wirken darin die vielen oberdeutschen Spracheigenheiten, so z. B. fast regelmäßig : „es hat" für „es gibt", und daneben auch nicht wenige ganz überflüssige Gallizismen. Manchmal wird einem ein Satz erst dann völlig klar, wenn man ihn sich ins Französische übersetzt denkt, womit der Gesamteindruck der Übersetzung keineswegs als unzulänglich bezeichnet werden soll, trotz der Feile, deren der Stil noch an manchen Stellen bedarf. Übersetzen im höheren Sinne ist eben eine ungeheuer schwere Kunst, und selbst bei jemand, der seine Muttersprache' sonst tadellos handhaben kann, wird die fremde Sprache beim Übersetzen nur zu oft eine Fessel, die den Geist der Muttersprache nicht zu völlig freier Entfaltung kommen läßt.
K. A. Martin Hartmann.
Heimatglück. In der Heimat wurzeln wir alle, ob wir es wissen und anerkennen oder nicht. In diesen Tagen hab ich das Bekenntnis eines Mannes gelesen, der weiß, wie sehr er auf heimatlichem Boden steht, der die Heimat nicht, nur kennt, sondern der sie tief innerlich empfunden hat und der sie daher lieben muß, denn sie hat ihm ihr Bestes gegeben. Man sagt wohl: „Sage mir, woher du bist, und ich will dir sagen, w e r du bist." Es liegt was wahres darin. Unstreitig haftet uns von der Scholle, die uns geboren, mehr an als wir ahnen. Ich habe oft, wenn ich in der Heimat weilte, den wiesen und Feldern, den Hügeln und Wasserläufen, ja selbst den einzelnen Gebäuden gegenüber ein ganz persönliches Empfinden, mir ist's, als ob sie geheime Zwiesprache mit mir hielten. Bist du schon wieder da? was hast du geschafft? Machst du uns Ehre oder Schande? Immer kommt dieses Verantwortungsgefühl über mich, als ob ich der vertrauten Heimatscholle
Rechenschaft ablegen müßte von meinem Tun und Treiben, will ich klar werden über widerstreitende Gedanken und Pläne, so bringt mir die Flucht zur Heimat die Entscheidung. Das ist der Kernpunkt dessen, was jeder erlebt, der ein ganz persönliches Verhältnis zu seiner Heimat gefunden hat.
In „Heimatglück" ( 1 .Teil. Kindheitserinnerungen, Verlag von Arwed Strauch, Leipzig) erzählt uns Paul Matzdorfin seiner ehrlichen, feinen und tief empfundenen weise von Heimatort und Heimathaus, von seinen Eltern, von den ersten Sinneseindrücken und dem langsamen Erwachen seiner Seele. Alles ist so echt und schlicht dargestellt, voll von treffenden psychologischen Beobachtungen, daß ich eine reine große Freude an dem Büchlein hatte. In Vortrupp- kreisen, die echtes bodenständiges Menschentum zu werten wissen, werden sich Matzdorfs Kindheitserinnerungen gewiß viele Freunde erwerben, wenn die geplanten Fortsetzungen „Des Ringens Leid und Freude" und „Des Lebens Frucht" halten, was der bis jetzt er- schienene erste Teil verspricht, dann wird's ein starkes Buch werden, das Matzdorf uns schenkt.
Sch.
Neue Bücher und Schriften
An dieser Stelle werden nur solche Werke aufgezählt, die der Schriftleitung nach der einen oder andern Richtung hin besonders empfehlenswert erscheinen.
Schumann, Wolfgang: Literarischer Jahresbericht des Dürerbundes. t 8 t 8 —M. z.—. Georg D. w. Lallwey, München.
Tepp, Max: Fidelfumfei. Neue Volkstänze. Julius Zwißler, wolfenbüttel.
(Für unaufgefordert eingesandte Bücher übernimmt die Schriftleitung d. „Vortrupp" keine Verantwortung.)