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1924: 1924
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Abt. IV: Missionen, Schulen und kulturelle Fragen.

Koloniale Wohlfahrtspflege.

D. theol. A. W. Schreiber-Berlin.

Direktor der Deutschen Evangelischen Missions-Hilfe.

Vortrag in der Abteilungssitzung am 18. September 1924.

Auf dem ersten Deutschen Kolonialkongreß nach dem Welt­kriege einen Ueberblick über koloniale Wohlfahrts­pflege in den früheren deutschen Schutzgebieten zu geben, ist aus einem dreifachen Grunde eine Notwendigkeit. Wir stehen an einem tragischen Abschnitt unserer Kolonialgeschichte. Da ist es geboten, eine kurze historische Darstellung über alle die Bestrebungen zu geben, in denen wir Deutsche sowohl für unsere Volksgenossen wie für die Eingeborenen der kolonialen Wohlfahrtspflege gedient haben. Diese Uebersicht hat aber nicht nur einen historischen Wert, sondern gewinnt auch eine große moralische Bedeutung zur Widerlegung der ko­lonialen Schuld lüge, daß wir Deutschen zur Kolonisation unfähig seien und durch unsere koloniale Mißwirtschaft das Recht verloren hätten, gleich anderenfortgeschrittenen Nationen dem Fortschritt der Menschheit zu dienen. Endlich aber steht es keineswegs so, daß die koloniale Wohlfahrtspflege mit dem, wie wir hoffen, nur zeitweiligen Verlust unserer Kolonien aufgehört hätte. Manche Betätigungen dieser Wohlfahrtspflege werden noch heute draußen fortgesetzt. Und daheim ist die dauernde Für­sorge für unsere notleidenden Kolonialpioniere und Koloniaf- krieger sowie für ihre Hinterbliebenen eine nationale Ehrenpflicht, deren Erfüllung zugleich eine wirksame und edle Kolonialpropa­ganda bildet.

ln den Gebieten unserer früheren Kolonien ist von Deutschen eine ausgedehnte Wohlfahrtspflege getrieben worden, z. T. Jahr­zehnte bevor dort die schwarz-weiß-rote Flagge gehißt wurde. Deutsche evangelische Missionare haben in Südwestafrika seit 1840, an der Sklavenküste Togos seit 1847 gearbeitet. Bei ver­schiedenen philanthropischen Bestrebungen zum Wohle der Ein­geborenen war die deutsche Mitarbeit von andern Nationen ge­sucht. Und wie reich hatte sich die Fürsorge für unsere Kolonial­deutschen und für die Besserung der hygienischen Verhältnisse in unseren Schutzgebieten entfaltet!