I30 Neu-Guinen.
248 000 Mark hatte und danrit dem Werte nach an erster Stelle der Einfuhr stand.
Bei der Ausfuhr spielt die Kopra die Hauptrolle, die nach Maßgabe der Entwicklung der Pflanzungen dein Gewichte nach in fortwährender Steigerung begriffen ist. 1904 wurden 4447 t, 1908 6286 t oder 1838 t ^ 41 Prozent mehr exportiert. Der Knutschukexport steckt noch in den Kinderschuhen und betrug etwa 6000 ÜF im Werte von 41 000 Mark. Sonstige Exportprodukte sind noch: Kaffee, Kakao, Sisalhanf, Steinnüsse, Holz, Schildpatt und Perlmutterschalen.
Diese Zahlen zeigen deutlich, wie wenig noch in dieser Kolonie in wirtschaftlicher Beziehung geschehen ist. Von dem ungeheuren, zur Verfügung stehenden, besten Plantagenland sind etwa 80 000 ba belegt und davon 18 000 üa bepflanzt worden. Wieviel kann noch aus diesem Lande, in dem fast alle Tropenpflanzen üppig gedeihen, herausgeholt werden, wenn sich die Unternehmungslust dahin wenden möchte. Dem Häuflein weißer Ansiedler kann man aber Tüchtigkeit und Fleiß nicht absprechen, dein: die Zunahme des Prodnktenexportes, die zu erwarten und der zielbewußten Arbeit der wenigen zu danken ist, wird in den nächsten Jahren eine beträchtliche sein, die Kopra wird auf 16 000 bis 20 000 1 pro Jahr, der Kautschuk und Kakao auf einige hunderttausend Kilogramm steigen und damit den wenigen Ansiedlern gute Einnahmen gewähren. Freilich Groß-Neu-Guinea würde mit ganz anderen Zahlen glänzen können.
IX. SchlußbeLrachtungen.
Deutschland ist die jüngste Kolonialmacht. Obgleich es dank seinen be- wundernswerten, erprobten Heereseinrichtungen sich zu großer, auf dem Kontinent ausschlaggebenden Macht aufgeschwungen, so hat bis vor kurzer Zeit sein Wille über die Grenzen des Kontinents hinaus nur wenig Geltung sich verschaffen können. Die Nachwirkungen der großen Kriege, deren Schauplatz die deutschen Gefilde waren, die politische Zerrissenheit aus seiner Kleinstaaterei und aus seinem Parteiwesen, der Mangel einer Flotte verboten jeden Einspruch oder Widerstand, als die seefahrenden, kriegstüchtige Flotten besitzenden Nationen zur Auswahl unter den überseeischen Ländern schritten und damit ihren reichen Kolonialbesitz sich sicherten. Seit der Zeit des Großen Kurfürsten, dessen weitschauende Uberseepolitik in den Ruinen von Grvß- Friedrichsburg ihr Grab gefunden, bis fast zur heutigen Zeit ruhte jede Bethätigung des Gedankens ein „Deutschland über See" zu gründen, gänzlich. Zwar war imBolkeder alte Hansageist, die Lust am Abenteuer, der Drang zum Zug nach der Ferne und die Kraft und die Furchtlosigkeit, Gefahren zu bestehen und zu überwinden, nicht erloschen. Deutsche Seeleute hielten durch ihre Tüchtigkeit den alten Ruf im Dienste der deutschen Seestädte, deren überseeischer Handel sich glücklicherweise aus eigener Kraft mehr und mehr entwickelte und bis zu den entferntesten Meeren reichte, hoch. Auch einzelne erleuchtete deutsche Fürsten unterstützten überseeische Handelsunternehmungen größeren Stiles und förderten sie durch Zuwendung erheblicher Mittel oder Subventionen. Aber die Gewinnung von Landgebieten über See zur Kolonisation oder als Stützpunkte des Handels lag dem Unter-