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zu dem Zwecke eine gemeinschaftliche Expedition nach den Gebieten der deutschholländischen Grenze zu entsenden. Die Mitglieder der deutschen Expedition, Herr Professor Leonhard Schnitze, Oberleutnant Findeis, Oberarzt L>r. Kopp und Bergassessor Stolle, versammelten sich im April 1910 in Friedrich-Wil- helmshafen.
Die Holländer hatten der Expedition durch zn ersetzen. Eine weitere holländische Expedition Anlage eines befestigten Platzes an der Humboldt- ist nahe der deutschen Grenze in das Land ein- bai, der der kommenden Expedition als Stntznngs- gedrungen und hat den Uns; Dingnl erforscht, und Ausgangspunkt dienen soll, vorgearbeitet- Sie ist dabei, nach heftigen Kämpfen mit den be- Die Aufgaben der Reise bestehen ausserdem in topv- sonders wilden Eingeborenen, bis zn einem Punkt graphischen Aufnahmen und Ortsbestimmungen, 140" 28^ 40" östlicher Länge und 5o 2P 24" südlicher die die Grundlage für die Feststellung der Grenze Breite vorgedrungen, also noch etwas über den zwischen Teutsch- und Holländisch-Nen-Gninen Punkt hinaus, auf welchem sich am 141. Meridian bilden und so ermöglichen sollen, die gerade Linie die deutsch-englische und holländische Grenze des 141. Meridians durch eine natürliche Grenze treffen.
Vorstehende Schilderungen stellen nur einzelne, mehr in die Erscheinung getretene Forschungsreisen dar. Zahlreiche Reisen und Touren sind von Beamten des Gouvernements, von den Beauftragten und Angestellten der in Neu-Guinea ansässigen Firmen und von Forschungsreisenden unternommen worden, die für die Kenntnis einzelner Gebiete wertvoll geworden sind. Ihre Auszählung würde zu weit führen. Sie umfassen also, wie schon bemerkt, weder sämtliche Erforschungsreisen in Neu-Guinea, noch können sie bei dem knappen Raum in Anspruch nehmen, die Geschehnisse erschöpfend dargestellt zu haben. Immerhin werden sie aber dartun, daß die vielfach zu hörende Ansicht, Neu-Guinea sei völlig unerforscht, es geschähe für die Erforschung so gut wie nichts usw., nicht zutreffend ist. Solche Urteile entspringen der Unbekanntschaft mit den sich in weiter Ferne abspielenden Vorgängen. Allerdings darf auf dem Errungenen nicht gerastet werden — noch vieles bleibt zu tun übrig. Insbesondere harrt der Norden von Kaiser- Wilhelmsland noch näherer Aufschließung, die ihm hoffentlich durch die im Gange sich befindenden Expeditionen wird.
Viele haben sich mit Einsetzung von Gut und Blut ohne Aussicht auf materielle Vorteile an die Aufgabe, von dem geheimnisvollen Bilde Neu- Guinea den Schleier wegzuziehen, herangemacht, manche haben ihren Wagemut mit dem Leben bezahlen müssen. Dies zeigt deutlich, daß die Erforschung Neu-Guineas zu den schwierigsten Aufgaben gehört und daß daher denjenigen, die zu dem bis jetzt Errungenen beigetragen haben, höchste Anerkennung gebührt.
Männer wie Ehlers, Hagen, Dammköhler, Stephan und Oldörp verdienen, daß wir ihr Andenken in Ehren halten.
V. Wirtschaftliche Verhältnisse.
Allgemeines.
Wie aus dem geschichtlichen Teil über die Entwicklung Neu - Guineas hervorgeht, war die Erschließung des Landes bis zu den Siebzigerjahren weder von irgend einer Nation geplant, noch in irgend einer Art versucht worden. Mit Ausnahme der ersten Besiedlungen des Bismarckarchipels in Matupi, Mioko und etwas später in Ralum hatte kein Europäer an irgend einer anderen Stelle bis 1885 festen Fuß gefaßt. Das ungeheure Gebiet