Zeitschriftenband 
Bd. 2 (1911)
Seite
238
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238Deutsch-Ostafrika.

Bevölkerung in hoher Blüte. Neben der Viehzucht, die infolge der nicht allzu großen Weideländer auf ein gewisses Maß beschränkt bleiben muß, treiben die Bewohner Ungonis mit vielem Fleiß und Erfolg Feldbau auf Eleusine- hirfe, Mais, Bohnen, Maniok, Tabak, Hanf, Erdnüsse, Sesam usw. Nur in wenigen Landschaften Deutsch-Ostafrikas wird auf den Ackerbau so große Sorgfalt verwendet wie in Ungoni, sogar künstliche Düngung wenden die Wangoni an, um die Ertragsfähigkeit ihrer Felder zu steigern.

Über die Möglichkeit einer Besiedlung Ungonis mit deutschen Pflanzern sind die verschiedensten Meinungen geäußert worden. Während Fülleborn das kühle, gesunde Höhenklima Ungonis preist und die Ansicht vertritt, daß gerade hier der Europäer Spannkraft und Arbeitsfrische auch auf die Dauer bewahren kann*), steht H. Meyer dem Plane einer europäischen Besiedlung Ungonis recht skeptisch gegenüber, da die Malaria überall vorkomme und die Tageshitze den Weißen erschlaffe**). Wie dem auch sei, selbst wenn der Optimismus Fülleborns das Richtige trifft, so gilt dennoch auch hier das alte Lied: Gegenwärtig ist an eine intensive Ausnutzung des so fruchtbaren Ungoni nicht zu denken, da eine schnelle Verbindung mit der Küste fehlt und den kostspieligen Transport über den NjassaSchireSambesi naturgemäß nur einige wenige hochwertige Produkte vertragen.

3. Das Küstenland.

Die BezeichnungKüstenland" für das im Norden allerdings nur 30 bis 40 lon breite, im Süden aber über 300 lcm westwärts reichende Niederland Deutsch-Ostafrikas ist streng geographisch genommen nicht ganz zutreffend. Da aber die übrigen BezeichnungenKüstenhinterland" oderKüstenvor- land" zu vielfachen Verwechslungen Anlaß geben, und der schmale korallinische Küstensaum schwerlich den NamenKüstenland" verdient, so sei an obiger Zusammenfassung der Landschaften zwischen Indischem Ozean und dem Ostabfall der Randgebirge als Küstenland festgehalten.

Das so definierte Gebiet gliedert sich nach seinem geologischen Aufbau und seiner Oberslächengestaltung in drei beziehungsweise vier Abschnitte:

1. der aus rezenten Korallenkalken (im Süden außerdem tertiären Mergeln und Kalken) gebildete, nur wenige Kilometer breite Küstenstrich, der nach Westen zu fast allenthalben durch eine Terrasse abgegrenzt ist;

2. die aus marinen Jura-Kreideschichten und den wahrscheinlich als jung- mesozoisch-alttertiäre Wüstenbildungen anzusprechenden sogenannten Makonde- schichten aufgebauten Randplateaus;

3. die mit lockeren jüngeren Deckschichten und den Alluvionen der Flüsse bedeckte Jnselbergplatte, die besonders im Süden weite Strecken einnimmt;

4. das nur im Süden vorhandene, zwischen dem Ostabfall der Rand­gebirge und der Jnselbergplatte eingeschaltete Gebiet der zu den Makonde- schichten zu stellenden mürben Sandsteine.

Wie wir es bei den Randgebirgen bereits kennen lernten, zerfällt das Küstenland außerdem in zwei große klimatische Provinzen: in das von der Nordgrenze bis zum Rufiji reichende Monsungebiet und das den ganzen Süden umfassende Passatgebiet. Wir beginnen im Anschluß an die soeben

*) Fülleborn: a. a. O. S. 13).

**) H. Meyer: a. a. O. S. 179.