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zu den Enden der gewaltigen Firn- und Gletscherkappe, die den Kibogipfel krönt.
Der hohe wirtschaftliche Wert des Kilimandscharogebiets ist schon frühzeitig erkannt worden. Deutsche, Engländer, Griechen, Italiener und Buren haben sich seit vielen Jahren bereits am Kilimandscharo angesiedelt und im Kleinbetrieb oder auf Pflanzungen mittlerer Größe den Anbau von Getreide, Obst, Kaffee, Kautschuk usw. versucht. Als ergiebigste Kulturen haben sich die von Kaffee, Mais, Weizen und Kautschuk erwiesen. Leider aber können die Pflanzungen auch hier wie beim Meru nicht in wünschenswertem Maße erweitert werden, da die Regierung den fruchtbarsten Teil des Kilimandscharogebietes, das Dschaggaland und den Urwaldgürtel, für die Besiedlung mit weißen Pflanzern gesperrt und als unantastbares Eingeborenenreservat erklärt hat.
Der Sitz der deutschen Regierung im Kilimandscharogebiet ist die einstige Militürstation Moschi am Südabhang, jetzt Zentrale eines großen bis nach Jraku und Nord-Pare ausgreifenden Bezirksamtes. Moschi hat in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung genommen, der um so sicherer anhalten wird, als bald die von Tanga ausgehende sogenannte Usambarabahn, die jetzt bis Station Same (252 1cm) geht, Moschi erreichen wird.
2. Die Nandgebirge.
Die Randgebirge Deutsch-Ostafrikas umfassen diejenigen Teile des Hochlandes, die beim Absinken des Küstenlandes längs der großen Randverwerfung aufgewulstet, durch die Erosion und durch tektonische Vorgänge mannigfach modelliert wurden und jetzt als durchschnittlich 1500 bis 2000 m hohe Bergländer das große Hochland unserer Kolonie im Osten begrenzen.
In geologisch-petrographischer Beziehung zwar durchaus ein Stück der weiter östlich sich ausdehnenden Gneishochfläche rechtfertigen die anders gearteten orographischen und klimatischen, pflanzengeographischen und kolonialwirtschaftlichen Verhältnisse dieser Randbergländer die Ausscheidung als besondere natürliche Landschaft. A'lhnlich wie wir es bei der Betrachtung des eigentlichen Hochlandes bereits kennen gelernt, bedingt aber auch hier wiederum das Klima eine weitere Zerlegung: die Gebiete nördlich des Rufiji- durchbruchs, Usambara-Pare, Unguruund Ussagara, gehören der Monsunprovinz an, die südlichen Teile des Randgebirges, Uhehe, Matumbi und Ungoni dagegen liegen im Bereich des Passatklimas, haben also nur einen „Sommer" und einen „Winter" im Jahre.
Das Usambara-Paregebirge, das zwischen der Tangaküste und dem Kilimandscharo und zwischen dem Pangani und der Nordgrenze unserer Kolonie wie ein langgestreckter, nach Norden zugespitzter Keil allseitig mit scharfem Absatz aus der umgebenden Steppenebene aufragt, wird durch das Quertal des Mkomasi in zwei Teile geteilt, in das südöstlich gelegene Usambara und das nordwestliche Pare. Usambara wiederum wird durch einen weiteren meridional gerichteten Nebenfluß des Pangani, den Luengera, und durch den nördlich von Tanga mündenden Sigi-Musi, in eine Reihe von Einzellandschaften zerlegt. Zwischen Mkomasi und Luengera breitet sich das über 2000 m hohe Bergland von Westusambara aus; daran schließt sich zwischen Luengera und Sigi das weit kleinere und niedrigere Ost-Usambara, und jenseits des Sigi endlich ragen gleichsam als Vorposten des Usambaragebirges die beiden Bergstöcke Mlinga und Ngondja empor.