Zeitschriftenband 
Bd. 2 (1911)
Seite
186
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186 Deutsch-Ostafrika.

schaltbild) und den mohammedanischen Kojas. Beides sürd geriebene Kauf­leute, die durch skrupellose Geschäftigkeit den größten Teil des Binnenhandels an sich gerissen haben. Wie sich die deutsche Regierung dieses seit einem Jahrzehnt immer mehr erstarkenden Elementes erwehren soll, bildet ein Problem für sich, dessen Lösung um so schwieriger ist, als fast alle Inder britische Untertanen sind und bleiben.

Indischer Abstammung sind endlich auch die weit redlicheren G o a n e s e n, die aus der kleinen portugiesischen Kolonie Goa in Ostindien stammen und als Schneider, Köche, Gastwirte und dergleichen in allen Küstenstadten Deutsch- Ostafrikas zu finden sind.

h. Wirtschaft und Verwaltung.

Die Grundzüge der Kulturbedingungen Deutsch-Ostafrikas haben wir in der vorausgegangenen physischen Geographie behandelt. Allein es tritt noch ein Moment hinzu, das die Produktion der Eingeborenen und der Europäer in der einschneidendsten Weise beeinflußt: die gesundheitlichen Verhältnisse des Landes. Sie bilden die Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens unserer großen ostafrikanischen Kolonie und bedürfen füglich an dieser Stelle einer kurzen Beleuchtung.

Deutsch-Ostafrika zerfällt hinsichtlich der Gesundheitsverhält­nisse in zwei Provinzen: Küstenland und inneres Hochland. Das Küsten­land ist infolge der gleichmäßig hohen Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit und der hierdurch bedingten Herabsetzung von Puls und Atmung, Verminde­rung der roten Blutkörperchen usw. für Europäer wenig zuträglich. Intensive körperliche Arbeit vermag der Europäer in diesem Gebiet nicht zu leisten. Viel günstiger liegen die Verhältnisse auf dem den größten Teil der Kolonie umfassenden Hochlande und seinen Randgebirgen. Hier ist der Feuchtigkeits­gehalt der Luft weitaus geringer, und die Temperatur weist eine relativ starke tägliche Schwankung auf. Die schwülen, erschlaffenden Nächte des Küstenlandes fehlen auf dem Hochlande völlig, da die Nachttemperatur in­folge der größeren Meereshöhe und Meeresferne meist auf wenige Grade über Null sinkt.

Neben diesen vor allem für den Europäer wichtigen, rein klimatischen Einflüssen herrschen nun aber in Deutsch-Ostafrika noch eine Reihe von Tropen­krankheiten, die, wie die moderne Forschung ergeben hat, dem Neger fast ebenso gefährlich sind wie dem Europäer. Die am weitesten verbreitete Krankheit in Deutsch-Ostafrika ist die Malaria*). Ihr Verbreitungsgebiet umfaßt hauptsächlich das Küstenland; insbesondere sind die heißen, sumpfigen Niederungen der Flußdeltas wahre Malariaherde. Auf dem Hochland ist die Anophelesmücke, die die Malaria überträgt, nicht in dem Maße verbreitet, wie in dem feuchtwarmen Küstengebiet; die Randgebirge sind sogar zum großen Teil so gut wie malariafrei. Nur die Flußniederungen (Wembüre, Kagera, Mlagarassi, Ugalla usw.) sind wie im Küstenlande gefürchtete Brut- plätze der tückischen Malariamücken.

*) Die Malaria ist eine mit schweren F-iebcransällen verbundene Infektionskrankheit, die durch Übertragung der Malariakeinie beim Stich der AnopheleSini'icken hervvrgernfen wird. Durch mög­lichsten Schutz gegen Mnckenstiche (Moskitonetzes und vor allem durch Einnahme von Chinin in regel­mässigen Zwischenrnnnien «Ehininprophnlares ist es möglich, sich der Malaria mit einiger Sicherheit zu erwehren.