Zeitschriftenband 
Bd. 2 (1911)
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

^ZZZZZSZS^ZSZZZZZZSZ» Allgemeine Übersicht. 163

zwar selten zu Gesicht bekommt, dessen niedrigen Höhlen man aber allent­halben in der Steppe begegnet, das Erdferkel.

Unsere Liste der ostafrikanischen Tierwelt ließe sich naturgemäß noch beträchtlich erweitern. Indes, es würde zu weit führen, in diesem Zusammen­hang etwa die reiche Fischfauna Deutsch-Ostafrikas zu behandelt: oder auf die Kriechtierfauna näher einzugehen, so interessante Probleme sich auch gerade beim Studium der niederen Tierwelt ergeben. Möge vorderhand dieser Überblick genügen, um uns einen Begriff von der Mannigfaltigkeit der Formen und dem ungeheuren Tierreichtum Deutsch-Ostafrikas zu geben.

5. Die farbige Bevölkerung.

Die vorausgegangenen Abschnitte haben uns gelehrt, die heutige Ober- flächengeftaltung Deutsch-Ostafrikas als das Produkt der geologischen Ent­wicklung zu betrachten, sie haben uns gezeigt, welch inniger Zusammenhang weiterhin zwischen dem Klima, der Vegetation und der Tierwelt besteht, wie sich das eine aus dem anderen organisch entwickelt. Aber diese Kette von Ursache und Wirkung läßt sich noch weiter verfolgen, denn auch der Mensch ist in hohem Maße von der Natur des Landes abhängig. Boden und Klima, Pflanzen- und Tierwelt bilden die Grundlage für das Verständnis der Ver­breitung der Rassen, des Kulturzustandes der verschiedenen Stämme, kurz des gesamten Völkerlebens des Landes.

Da dem weiten Steppenhochland Deutsch-Ostafrikas völkertrenuende Gebirgsschranken, schwer passierbare Urwaldzonen und Sümpfe oder aus­gedehnte Wüstengebiete so gut wie völlig fehlen, so gehört das ostafrikanische Hochland zu denjenigen Teilen von Afrika, in denen sich die großen Völkerzüge mit Vorliebe bewegten. Infolgedessen gewährt unsere Völkerkarte vonDeutsch- Ostafrika (siehe Abb. S. 166) ein recht bunt zusammengewürfeltes Bild. Alle afrikanischen Rassen finden wir hier vertreten: Reste der afrikanischen Ur­bevölkerung, Neger, Hcnniten und Semiten.

Von der wahrscheinlichen Urbevölkerung des Landes wissen wir bis zum heutigen Tage recht wenig: Von den Batuain Urundi haben wir erst durch die Expeditiou des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg einige Mitteilungen erhalten; die W ah i, Manege und Wakindiga am Ejassifee aber sind bisher überhaupt noch nicht wissenschaftlich studiert worden. Alles was wir von ihnen wissen, verdanken wir den Erkundungen Werthers*), der indes im wesentlichen nur die Berichte seiner Träger wiedergibt. Danach führen diese verstreut wohnenden Völkchen ein echtes Jäger- und Sammlerleben. In kleinen Horden ziehen sie herum, graben im Walde Wurzeln oder liegen in der offenen Steppe der Jagd ob; Ackerbau oder Viehzucht soll vollkommen fehlen. Zur Nacht Hausen sie in niedrigen, an die Bäume herangebcmten Grashütten. Besonders interessant ist die Sprache dieser Stammessplitter; sie ist, ähnlich wie die der Buschmänner Südafrikas, durch zahlreiche Schnalz­laute ausgezeichnet und wird von keinem der Nachbarvölker verstanden.

Über die anthropologische Stellung der Batua, Wahi, Manege und Wakin- diga läßt sich zurzeit nichts Sicheres aussagen. Nach den Berichten der vom Herzog zu Mecklenburg geführten Expedition haben die Batua ihren ursprüng-

*> W. Werther: Die mittleren Hochländer des nördlichen Dentsch-^stafrika. Berlin 1898. 2. 7lh71.