Periodicaltome 
Bd. 2 (1911)
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150 -SLSZZMZKLZr-Z'MKDM Deutsch-Ostafrikn.

art des Klimas von Deutsch-Ostafrika bilden. Nicht ein Mangel oder Über­fluß an Sonnenwärme bildet den Übelstand im Klima unserer ostafrikanischen Kolonie, sondern die unregelmäßigen und stellenweise zu schwachen Nieder­schlüge. Weite Gebiete des deutschen Ostafrika harren noch der wirtschaftlichen Erschließung, wenn es gelingt, eine rationelle Wasserversorgung einzurichten. Durch immer weiteren Ausbau der meteorologischen Stationen aber wird es der Wissenschaft gelingen, die vielverschlungenen Zusammenhänge der einzelnen klimatologischen Elemente aufzudecken, mit immer größerer Sicherheit das Eintreffen oder Ausbleiben der Regenzeiten vorauszusagen und so, Hand in Hand mit der Praxis, zum Heile Deutsch-Ostafrikas zu wirken.

4. Pflanzen- und Tierwelt.

Die Pflanzenwelt eines Landes kann von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet werden. Der Botaniker wird im allgemeinen seine Aufmerksam­keit den einzelnen Pflanzenarten und -spezies zuwenden, wird ihre geogra­phische Verbreitung festzustellen versuchen und im Anschluß hieran vielleicht seine Anschauungen über Herkunft und Wanderungen einzelner Pflanzen darlegen. Der Geograph dagegen beschäftigt sich in seinen Studien allerdings auch mit der Pflanzendecke der Erde, aber er beschränkt sich darauf, die Resultate der botanischen Forschung seinen Betrachtungen zugrunde zu legen und die Pflanzenwelt in ihrer Abhängigkeit von Klima und Bodenbeschaffenheit, in ihrem Zusammentreten zu bestimmten, das Landschaftsbild kennzeichnenden Pflanzenformationen zu schildern. Mit anderen Worten: der Botaniker studiert in erster Linie das Werden und Vergehen des einzelnen pflanzlichen Lebewesens und seine Stellung im System der Botanik, der Geograph be­trachtet die Vegetation des Landes als etwas Ganzes und Dauerndes, als Teil der Erdoberfläche, die sein Forschungsgebiet ausmacht. Die Frage, die wir in dem ersten Teil dieses Abschnittes beantworten wollen, lautet demgemäß: Was für Pflanzenformationen sind in Deutsch-Ostafrika zu beobachten und welche ursächlichen Zusammenhänge verbinden die einzelnen Pflanzen­formationen mit der Bodenbeschaffenheit und dem Klima?

Ganz Deutsch-Ostafrika gehört jener großen Steppenprovinz an, die, im westlichen Sudan beginnend, das ausgedehnte Urwnldgebiet des Kongo­beckens auf allen Seiten umsäumt. Baum- und Grassteppen, daneben trockenes Buschgehölz und dürftiger Steppenwald nehmen die weitesten Flächen des Landes ein: nur ganz selten treffen wir auf den echten tropischen Urwald, der in Westafrika eine so ungleich größere Verbreitung besitzt.

Versuchen wir, der Ursache für die Einförmigkeit der ostafrikanischen Pflanzen­formationen, für den Mangel an größeren tropischen Hochwaldgebieten nach­zuspüren, so treten uns vornehmlich drei Faktoren entgegen. Zunächst kann man den Boden Ostafrikas im ganzen genommen als wenig ergiebig bezeichnen. Die vorherrschenden Gesteine, Granit und Gneis, zerfallen zu einen: meist mittelwertigen braun oder rot gefärbten Lehm, der streckenweise infolge starker Eisenbeimengungen geradezu unfruchtbar wird. Das Gegenstück hierzu bilden die jungvulkanischen Böden, deren reicher Nährgehalt eine üppigere Vege­tation bedingt.

Von unverhältnismäßig größerer Bedeutung als die Bodenbeschaffenheit sind jedoch die klimatischen Eigentümlichkeiten der verschiedenen Teile Deutsch-