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Deutsch-Ostafrika.
Gebiet des Großen Ostafrikanischen Grabens und seiner Nebenbrüche. Von den zahlreichen Salzseen, die sich auf der Sohle des Großen Grabens gebildet haben, erwähnen wir in erster Linie den Natronsee (Magad), der unmittelbar an der Nordgrenze unserer Kolonie beginnt und sich bei etwa 24 üm Breite nach Süden erstreckt. Den größten Teil seiner Wassermassen empfängt er von Norden her aus englischem Gebiet durch den Guasso Njiro. Alle übrigen abflußlosen Seen im Gebiet des Großen Grabens stehen an Größe weit hinter dem Natronsee zurück. Die wichtigsten von ihnen sind der Manjarasee (Lana ja Mueri), der von der westlichen Grabenseite den Kwou empfängt, ferner der Laua ja Sereri, der Balangdasee am Fuße des Guruiberges und der südliche kleine Balangidasee. Alle Zuflüsse dieser kleinen Wasserbecken führen nur periodisch Wasser und versieget: in der Trockenzeit häufig so lange, daß der von ihnen gespeiste See selbst mehr und mehr verschwindet, und schließlich nur noch einige große Wassertümpel, ein Sumpf oder gar eine ebene, staubige Salzsteppe an die weite Wasserfläche der Regenzeit erinnern. Die Landschaften Jrangi und Ussandaui im äußersten Süden der großen tektonischen Störungszone entwässern zum Bubu, einen: ebenfalls nicht ständig wasserführenden Fluß, der in einem Sumpf südlich von Kilimatinde endet.
Auch die übrigen von: Große:: Ostafrikanischen Graben ausstrahlenden tektonischen Senken weisen eine reichliche Menge kleiner abflußloser, salziger Seen auf. In dem Hohenlohegraben finden wir den stark versumpften Hohen- lohesee (Jaida), im Wembäregraben den weit größere::, sehr salzreichen Njarasa- Ejassisee und die Wembäresümpfe mit den: kleinen Wembäresee. Auch von diesen Wasseransammlungen gilt das gleiche, was Nur bereits von den Salzseen des Großen Grabens sagten: von wirklichen Seen kann man eigentlich nur in der Regenzeit sprechen; selbst der Ejassisee trocknet meist in jedem Jahre längere Zeit gänzlich aus.
Das abflußlose Gebiet in: Süden Deutsch-Ostafrikas umfaßt gleichfalls eine Dislokationszone, das Gebiet des Rukwagrabens, der seinen Namen nach dein aus seiner Grabensohle entstandenen See trägt. Zahlreiche in der Regenzeit stark anschwellende Flüsse führen ihre Wasser dem Rukwasee zu. Der Momba-Ssaissi entwässert das südlichste Tanganjikarandgebirge zum Rukwasee, der Lupu-Songwe sammelt die Wasser des südlichen Teiles des llkimbu- hochlandes und des Nordabhanges von: Kondeoberland, und von Norden her durchströmt der Katuma-Kawu die Rukwasenke. Der Rukwasee selbst ist ein echter Salzsee mit schmutzigem, faulen: und bittersalzigem Wasser, das für Menschen völlig ungenießbar ist. Seine jahreszeitlichen Niveauschwankungen erreichen eine beträchtliche Höhe. In der Regenzeit überfluten seine Wassermassen besonders im Nordwesten weite Gebiete der Senke, die sick zur Trockenzeit in eine unabsehbare Salzsteppe umwandeln. Glühend heiß brennt dann die Sonne in der Rukwasenke, die Winde wirbeln salzigen Sand und Staub auf und Zagen ungeheure Staubwolken und Sandhosen über die weite abflußlose Niederung hin.
3. Klima.
Bei der hohen Bedeutung, die das Klima eines Landes für das gesamte Natur- und Kulturleben besitzt, dürfte es zweckmäßig sein, etwas länger bei der Klimatologie Deutsch-Ostafrikas zu verweilen und einige allgemeine meteoro-