Periodicaltome 
Bd. 2 (1911)
Place and Date of Creation
Page
123
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Allgemeine Übersicht. 123

21. Februar 1893 erreichte er Pangani. Zahlreiche wichtige geographische Entdeckmlgen, vorzügliche kartographische Aufnahmen der durchreisten Gebiete und wertvolle wissenschaftliche Sammlungen sichern Baumann für alle Zeiten einen Platz in der Reihe der größten Ostafrikaforscher.

Die weiteren Expeditionen des Antisklavereikomitees bezweckten in erster Linie den Transport je eines Dampfers zum Viktoriasee und zum Tanganjika. Sie sind für die Geographie Ostafrikas auch nicht annähernd so fruchtbar ge­worden, wie die Reise Oskar Baumanns, wenngleich die letzte Expedition unter v. Wißmann, Bumiller, v. Cltz, Roewer und Kapitän Präger unsere Kenntnisse der Gebirgslünder an: Nordrande des Njassafees nicht unwesent­lich förderten*).

Ursprünglich dem Sport gewidmet, ist durch die Gunst der Verhältnisse und die Tatkraft ibres Führers die Expedition des Grafen Götzen quer durch Afrika vom Pangani zur Kongomündung der geographischen Wissenschaft von hohem Nutzen geworden. In Begleitung von Dr. v. Prittwitz und Gaffron und des Arztes Or. Kersting brach Götzen im Dezember 1893 von Pangani auf und marschierte durch Useguha, die Nngurnberge und die Masfaisteppe nach Kondoa in Jrangi, wo er als erster den Gnruivulkan bis zu einer Höhe von 3000 m bestieg. Dann führte ihn der Weg weiter nach Westen durch die Wembäresteppe, Südussukuma und das Kageraauellgebiet hinein in das sagenhafte Land Ruanda, das er als erster Europäer betrat. Auf seinem weiteren Marsche entdeckte Götzen zwischen den: Tanganjika und dein Albert Edward-Njansa einen neuen See, den Kiwusee, der im Nordwesten von einer Reihe zum Teil noch heute tätiger Vulkane umgeben ist, den Kirungavulkanen, die Götzen teilweise bestieg. Den Urwaldgürtel zwischen den: Kiwusee und dem Kongo glücklich passierend, hat Götzen dann im Dezember 1894 den Atlan­tischen Ozean bei Banana an der Kongomündung erreicht.

In der Folgezeit ist unsere geographische Kenntnis von Ostafrika durch eine große Reihe von Forschern und Offizieren, Beamten, Kaufleuten und Missionaren gefördert und manche Lücke im Kartenbild unserer Kolonie aus­gefüllt worden. Allen voran stehen die beiden zoologischen Reisen von O. Neumann (1893 bis 1894) und M. Schöller (1896 bis 1897) im nördlichen Deutsch-Ostafrika, ferner die geologischen Untersuchungen W. Bornbardts (1896 bis 1897) und A. Dant/ (1898 bis 1900), die Forschungen Hans Meyers am Kilimandscharo (1889, 1898) und endlich die so ergebnisreichen ethnographi­schen Studien F. Fülleborns (1897 bis 1900). Eine große Zahl weiterer verdienstvoller Reisender werden wir unten in der Besprechung der einzelnen Landschaften kennen lernen.

2. Oberflächengestaltung, innerer Bau und Bewässerung.

Während für andere deutsche Kolonien, z. B. Kamerun, ein reicher Wechsel von Tiefländern und Hochplateaus, von weiten Ebenen und hohen Gebirgs­ketten charakteristisch ist, wird die Oberflächengestaltung von Deutsch-Ostafrika durch eine auffallende Einförmigkeit gekennzeichnet. Das gesamte Gebiet

*> Durch die vielen kostspielige» Expeditionen waren inzwischen die Mittel des Antisklaverei- koinitecs erschöpft worden, so das; im November IM die Auflösung des -lioinitees erfolgte. Die von ihm begründeten Stationen und die beiden Dampfer wurden von der Reichsregicrung über­nommen.