Zeitschriftenband 
Bd. 2 (1911)
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Allgemeine Beschreibung des Landes. «<§§§<««<«-» 7

dauern, daß auch sie nicht mehr imstande gewesen ist, mehr von dem Hinter­lands für Deutschland zu retten:

1894/95. Dr. Grüner zieht von Misahöhe über Kratschi, Salaga, Jendi, Sansane Mangu nach Pama, Gurma, Ssai am Niger, nigerabwärts nach Giris, weiter nach Gando (wo Or. Grüner einen Schutzvertrag abschließt), zurück über Jlo, Kuande, Mangu nach Misahöhe.

Auch der Tätigkeit der beiden Grenzkommissionen sei hier gedacht, die uns bisher ganz unbekannte umfangreiche Gebiete erschlossen haben, der deutsch­französischen Kommission 1899 (auf deutscher Seite v. Massow und Preil) und der deutsch-englischen Kommission 1902 (auf deutscher Seite Graf Zech).

Als Ergebnis der zahllosen Aufnahmen im Schutzgebiet liegen eine Karte im Maßstabe 1 : 600 000 in zwei Blättern und die im Jahre 1907 beendete große Karte von Togo im Maßstabe 1 : 200 000 in zehn Blättern vor. Die Karten find aus dein Dietrich Reimerschen Institut hervorgegangen und von P. Sprigade in jahrelanger Arbeit geschaffen. Daß P. Sprigade Gelegenheit hatte, den größeren Teil des Landes auf einer Reise aus eigener Anschauung kennen zu lernen, ist gewiß ein dankenswerter Umstand.

n. Allgemeine Beschreibung des Landes.

Das Schutzgebiet umfaßt etwa 87 200 glon. Seine Bewohnerzahl wird auf eine Million geschätzt. Es ist etwas größer als Bayern, enthält aber nur etwa den sechsten Teil von dessen Bewohnerschaft. Seine längste Ausdehnung, in meridionaler Richtung von der Küste zur Nordgrenze gemessen, betrügt 620 Ion, seine größte Breite, unterhalb des 9. Grades gemessen, 220 Ion.

Die 52 Ion lange Küste wird von einer gewaltigen Brandung bespült. In kurzen Zwischenräumen entsendet das Meer lange und schwere, schnum- gekrönte Wellenzüge gegen die Küste, in deren Bereich sie sich überstürzen und die zusammenbrechenden Wogen den flachen Strand hinausjagen. Be­sonders in den Monaten März bis Juni ist die Brandung eine sehr hohe, so daß ihr Donnergebrüll weit in das Land hineintönt und oft jeglicher Ver­kehr von See zu Land aufgehoben ist. Der Küstensaum selbst ist eine nur wenig erhöhte Sandanhäufung, stellenweise von Dünencharakter, von 1 bis 2 Ion Breite. Dahinter befindet sich ein langsam fließendes Brackwasser, das als Lagune bezeichnet wird. Diese sandigen, einer Nehrung ähn­lichen Küstenstreifen sind für die Guineaküste bezeichnend; sie sind entstanden durch das Zusammenwirken von Brandung und Guineaströmung, die große Mengen von Seesand vor dem eigentlichen Festland ablagerten. So wurden die Flüsse des Festlandes, die die vorgelagerten Sandbänke nicht zu durch­brechen vermochten, vom Meere abgeschlossen und seitwärts abgedrängt. Stellenweise ist dieser vorgelagerte Sandstreifen unterbrochen, und es findet eine Verbindung zwischen Meer und Lagune statt. Eine derartige Bresche liegt einige hundert Meter östlich von Anecho. Bei hohem Lagunenwasser- stand durchstößt man wohl, um einer Überschwemmung des Landes vor­zubeugen, die Nehrung, manchmal findet auch bei hohen Seestürmen ein Durchbruch statt, wie vor einigen Jahren bei dem benachbarten Cotonu. Dort, wo das Festlandsufer besonders flach beschaffen war, haben sich größere Lagunenseen gebildet, so im englischen Gebiet die ausgedehnte, zum Teil ausgetrocknete Quittalagune, in Togoland der 10 bis 12 Ion lange und 6 Ion