III. Die wirtschaftliche Bedeutung der deutschen Kolonialpolitik und der deutschen Schutzgebiete.
Förderung des Handels und Hebung des Volkswohlstandes, Stärkung und Verbreitung der eigenen Nationalität sind die mächtigen Triebfedern überseeischer Politik, und nicht Abenteuerlust oder Ländergier, sondern wirtschaftliche Ursachen sind es gewesen, die zur Entstehung der deutschen Kolonialbewegung und zur Gründung des deutschen Kolonialreiches geführt haben. / Die heimische Bevölkerung ist so gewaltig gewachsen, daß sie immer mehr nach Raum und Ellenbogenfreiheit verlangt. Daher ist vor allem die Auswanderungsfrage bedeutungsvoll geworden, weil es gilt, die Auswanderer nicht nur als Deutsche zu erhalten, sondern sie zugleich den Interessen der alten Heimat dienstbar zu machen. Dazu kommt unsere gewaltig angewachsene Industrie, der sich die stetig zunehmende Bevölkerung unseres Vaterlandes mit Rücksicht auf den immer enger werdenden Raum Deutschlands vornehmlich zuwenden muß. Aber der Absatz der massenhaft hergestellten Fabrikate stößt von Jahr zu Jahr auf größere Schwierigkeiten, weil im Wettbewerb mit den ebenfalls unter industrieller Ubererzeugung leidenden Nachbarstaaten der heimischen Gewerbtätigkeit zugleich die alten Märkte gesichert und neue Absatzgebiete erschlossen werden müssen. „Das Deutschland von heute muß entweder über See verkaufen oder untergehn*, sagt der Franzose Marcel Dubois. Wie aber die heimische Industrie mehr denn je auf die Versorgung ausländischer oder überseeischer nichtdeutscher Gebiete angewiesen ist, so ist sie umgekehrt auch mehr denn je von den Rohstoffzufuhren aus außerdeutschen Ländern abhängig. Gleiches gilt von der Nahrungsmittelversorgung, weil die deutsche Landwirtschaft nur noch Dreiviertel der Volksmenge zu ernähren vermag.
Deutschlands Kolonien. 37