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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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Einleitung.

Seit der Begründung des neuen Deutschen Reiches hat kein poli­tisches Ereignis innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres Vater­landes solches Aufsehen erregt als die Erwerbung deutscher Kolonien. Was die einen lange wünschten und erstrebten, die andern zaudernd und vorsichtig erwogen und die dritten entschieden bekämpften, das war durch die Besitznahme Angra Pequenas endlich zur Tatsache ge­worden. Deutschland war in die Reihe der Kolonialstaaten eingetreten, und rasch folgten dem ersten kühnen Schritte die Flaggenhissungen in Togo und Kamerun, in Deutsch-Ostafrika und in der Südsee. Es war auch höchste Zeit, daß Deutschland Zugriff. Denn allerwärts waren die Kolonialmächte tätig, die Welt unter sich zu verteilen; und es gab nicht mehr viele Gebiete, die sogenanntes No Mans Land oder herrenloses Land zur Besitzergreifung darboten.

Schon oft ist die Frage aufgeworfen worden, warum gerade die Deutschen, die seit alters als tüchtige Kolonisten bekannt sind, erst so spät dem Beispiel ihrer europäischen Nachbarn folgten und in die Reihe der Kolonialstaaten eintraten. Die Antwort auf diese Frage gibt die politische Vergangenheit unseres zersplitterten und ohnmächtigen Vater­landes, die eine selbständige überseeische Politik unmöglich machte und uns in auswärtigen Angelegenheiten zu einem willenlosen Spielball der europäischen Seemächte herabwürdigte. Ein 1848 erschienenes Spott­gedicht, das in nicht mißzuverstehender Weise das Ansehen geißelt, das Deutschland damals genoß, lautet folgendermaßen:

Schiffbruch bat das Schiff gelitten;

Vier entkamen nur dem Tod,

Die der mächtge Herr der Wüste Vor den Herrschertbron entbot.

Als er fragte, wer sie seien,

Trat der Erste zu ihm hin:

Kannst Du, Herr der Wüste, zweifeln,

Daß ich ein Franzose bin ?

Deutschlands Kolonien.

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