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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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III
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Geleitwort zur ersten Auflage.

Von Friedrich Ratzel.

Als vor einigen Jahren im Colonial Institute in London die Rede auf die kolonialen Fortschritte der Deutschen kam, meinte der Marquis of Lome, der frühere Vertreter der Königin in der Regierung der Dominion von Canada, es sei nicht so erstaunlich, daß die Deutschen sich überall in der Welt festsetzten, von der sie schon lange so gute Karten gezeichnet hätten. In diesen Worten liegt eine tiefere Wahrheit, als der Redner vielleicht hineinlegen wollte. Deutschlands Besitz­ergreifungen in überseeischen Ländern gehören zu den politischen Aktionen, die lange geistig vorbereitet waren. Ein Volk, das seit mehr als hundert Jahren sich mit der Geographie, Ethnographie und Geschichte aller außereuropäischen Länder so ernst und eindringend beschäftigt hat wie das deutsche, muß einmal die praktische Anwendung seiner Kennt­nisse durchsetzen. Es ist ihm nun besser auf dem wirtschaftlichen als auf dem politischen Gebiete gelungen; mit anderen Worten, seine Teil­nahme am Welthandel ist rascher emporgediehen als sein überseeischer Landbesitz. Aber wenn man erwägt, daß noch ein Jahrzehnt lang nach 1870 fast alle ernsten Politiker die Kolonien als einen Luxus oder einen Schaden für Deutschland hielten, ist man erstaunt, wie bereit die Deutschen kurz darauf waren, den Weg der politischen Expansion in überseeischen Ländern zu beschreiten, und wie erfolgreich es unter schwierigen Umständen geschehen ist. Das hängt eben damit zusammen, daß die politische Aktion unmittelbar an die geographische anknüpfen und die seit dem großen Heinrich Barth herangediehene Generation von geographischen Forschungsreisenden in ihre Dienste stellen konnte. Die geschichtlichen Abschnitte des vorliegenden Buches zeigen diesen Zusammenhang auf jeder Seite. Wenn den Namen von Nachtigal und Wissmann, die schon in der vorkolonialen Periode leuchteten, die jüngeren Namen von Stuhlmann, Grüner, Zintgraff sich anreihen, sehen wir den Zusammenhang zwischen der Geographie und der Kolonialpolitik sich