Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
337
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Entwicklung des Schutzgebietes seit der Besetzung. 337

Vertrag abgeschlossen, wonach es seinen Kohlenbedarf, soweit er in Tsingtau zu übernehmen ist, bei der Gesellschaft deckt. Die Weihsienkohle hat in Tsingtau, Schanghai und in der Provinz Schantnng eine große Verbreitung zum Haus­bedarf gefunden; sie kommt besonders auf Schiffen für Feuerungen mit großen Heizräumen in Betracht; auch englische Schiffsgesellschnsten bedienet: sich dieser Kohle.

6. Schule und wissenschaftliche Arbeiten.

Die Tätigkeit im Kiautschougebiet erstreckte sich aber nicht nur auf die materiellen Gewinn versprechenden Gebiete, sondern auch auf Arbeiten, die idealen Zwecken dienen. Bereits im ersten Jahre nach der Besitzergreifung ist eine deutscheSchnle gegründet worden, die sich später in eine Knaben- und Mädchenschule trennte. Die Gouvernementschule ist nach den: ungefähren Platte eines Realgymnasiums eingerichtet; an die dreiklassige Vorschule schließt sich der lateinlose Unterbau des Reformrealgymnasiums an; als Fremdsprachen werden von der Sexta ab Englisch, von Quarta ab Fran­zösisch getrieben. Darauf batten sich die Mittelklassen Untertertia, Ober­tertia und Untersekunda mit Latent. Im Jahre 1908 ist der Schule die Be­rechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienste zuerkannt worden. Die Zahl der Schüler stieg von fünfzehn im Jahre 1902 auf hundertfünfunddreißig in: Jahre 1909 ; die mit der Gouvernementschule verbundene Mädchenschule wird von drei Mädchen besucht. Ihr steht eine Lehreritt vor; die zweite unterrichtet an der für Knaben und Mädchen gemeinsam eingerichteten Vorschule. Das Alumnat beherbergte vierzehn Zöglinge im Jahre 1909 . Die Schule hat jetzt schon über ihre örtliche Bedeutung für die Kolonie Wichtigkeit für den deutschen Nachwuchs in Ostasien erlangt; im letzten Jahre wurde sie von achtzehn Schülern besucht, deren Eltern ihren Wohnsitz außerhalb des Schutz­gebietes hatten.

Aber auch für die kulturellen Bedürfnisse der chinesischen Bevölkerung des Schutzgebietes ist in weitem Maße Sorge getragen; das Verdienst, hierin energisch vorgegangen zu sein, gebührt den Missionen beider Konfessionen, deren Wirken überhaupt für die Kolonie segensreich war. Im Schutzgebiet sind drei deutsche Missionen: die Berliner Missionsgesellschaft, der evangelisch-protestantische Missionsverein und die deutsche katholische Missionsgesellschaft von Steil, sowie eine amerikanische Mission tätig. Jede der deutschen Missionen hat Schulen für Chinesen eingerichtet, in denen als Hauptfach neben den chinesischen Klassikern die deutsche Sprache gelehrt wird. Der Zudrang zu diesen Schulen ist, da die Chmesen den Vorteil der Kenntnis der deutschen Sprache klar erkennen, bedeutend. Erwähnenswert ist die seitens der katholischen Mission eingerichtete deutsche Schule, in der chine­sische Christen, die eine chinesische Schule der Mission bereits durchgemacht haben, für den E i s e n b a h n d i e n st vorbereitet werden; mit ihnen sind, ge::au wie bei der: übrigen in China im Betrieb befindlichen Bahnen, durch­weg gute Erfahrungen gemacht. Von der Behandlung, die der Europäer dem chinesischer: Angestellter: angedeihen läßt, hängt es vielfach ab, ob er gute oder schlechte Resultate erzielt.

Aus Mittel», die die chinesische» Geuieiude» me» tarschulen im Landgebiete zuin Ersatz der nnfbringen, wurde» bereits im Jahre 1901 durch bestehende» Privntklasse» ins Lebe» gerufen. Die das Gouveriiemeiit moderne chinesische Ele- Schule», i» denen im Gegensatz z» dem geistlosen

DaS überseeische Deutschland. 22