Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

»ZZMKZK Klautschou.

Von großer Wichtigkeit für die Stadt wie für den Hafen war die Inangriff­nahme der Aufforst u n g der Berge um Tsingtau. Hierdurch wird eine Verbesserung der Wasferverhältnisse der Stadt erreicht und gleichzeitig eine Versandung des Hafens durch Bodenabfchwemmungen verhütet. Die Arbeiten sind von Anfang an energisch betrieben. Durch die Aufforstung hat das Gebiet an landschaftlichem Reiz wesentlich gewonnen. Dem Bedarf an Grubenholz in der Provinz kann bereits jetzt die Forstverwaltung zu einem guten Teile genügen. In höchst erfreulicher Weife ist es gelungen, bei der chinesischen Be­völkerung des Schutzgebietes das Verständnis für Forstarbeiten zu wecken; die Dorfschaften beteiligen sich freiwillig an den Versuchen zur Erzielung eines ausreichenden Baumnachwuchses.

Nicht zu unterschätzen ist der kulturelle Einfluß, den das Schutzgebiet ge­rade durch die umfangreichen Forstanlagen und die Bepflanzung alter Berg­abhänge auf die Nachbarprovinzen ausübt; das gute Beispiel hat viel Nach­ahmung in chinesischen Regierungskreisen und bei größeren Privatgesellschaften außerhalb des Schutzgebietes gefunden.

2. Handel und gewerbliche Tätigkeit.

Schon mit der Besetzung des deutschen Kiautschougebietes hatten sich einige deutsche, in Ostasien ansässige Firmen in Tsingtau niedergelassen und Lager und Läden errichtet, in denen hauptsächlich die allgemeinen Bedarfs­artikel für die ersten Kolonisten und die Besatzungstruppen feilgeboten wurden. Bald folgten auch chinesische Händler, durch die Aussicht auf Gewinn gelockt. Seither hat sich die Ansiedlung europäischer Firmen in Tsingtau immer mehr entwickelt; die meisten der angesehenen alten deutschen Chinasirmen haben in Tsingtau Filialen gegründet, und mehrere große Häuser haben sich von Tsingtau ans über die Nachbarplätze verbreitet. Ein russischer, ein ameri­kanischer und ein englischer Konsul nehmen im Schutzgebiete die Handels­interessen ihrer Landsleute wahr. Unter den Ausländern befinden sich gegen zweihundert Japaner. Die letzte Zählung im Jahre 1907 wies, abgesehen von den Personen des Soldatenstandes, eine ansässige Bevölkerung von un­gefähr fünfzehnhundert Europäern und Amerikanern auf. Erfreulicherweise ist auch der Zuzug chinesischer Kaufleute nach Tsingtau ein reger, denn nach den überall an der chinesischen Küste gemachten Erfahrungen find sie für den Handel mit dem Hinterland unentbehrlich.

Für unser Schutzgebiet kommt, abgesehen von den Bedürfnissen der Kolonie selbst, nur der Durchgangshandel in Betracht. Die Kolonie ist auf den Handel mit dem Hinterlande angewiesen; hierbei ist die verständnis­volle Mitarbeit der einheimischen Bevölkerung, das Interesse der Nachbar­behörden unentbehrlich. Sie zu gewinnen bestimmte von Anfang an die Entschlüsse der Verwaltung. Der Zulassung eines chinesischen Zollamts folgte die Anpassung des chinesischen Post- und Telegraphenamts an die Einrichtungen des Reiches; eine chinesische Staatsbank hat ihre Filiale in Tsingtau eröffnet.

Am 2. September 1898 wurde das deutsche Schutzgebiet zum Frei­hafen erklärt, innerhalb dessen es keine Zollschranken gab. Die Verzollung von Durchgangswaren fand bei der Ankunft und der Verschiffung statt. An­gesichts der nachteiligen Erfahrungen, die allgemein mit den Freihäfen gerade in bezug auf die Belebung des Durchgangshandels gemacht waren, mußte