Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
325
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Bodenorzengnisse, Handel und Genierbe vvr der Besetzung. 325

den nicht fehlen, verbindet die Ortschaften, Tempel und Gehöfte miteinander. Auf ihnen vollzog sich bis dahin der ganze Verkehr; befahrbare, zur Regen­zeit allerdings völlig unwegsame Landstraßen gibt es nur zwischen den Kreis- und größeren Hafenstädten, also von Taputou nach Kiautschou, von Nükukou und Tsangkou nach Tsimo. Die Fußwege dienen gleichmäßig dem Fußgänger, dem Reiter, dem Lastträger, dem Saumtier und vor allem dem einrädrigen Schiebkarren, diesem Haupttransportmittel in China, zu dessen Fortbewegung vielfach Segel aufgespannt werden. Die Landstraße wird durchfurcht von den zweiräderigen mit ein, zwei oder auch drei Tieren be­spannten Karren. Manchmal sieht man die Schantung eigentümliche, auf zwei Tieren transportierte Tragsänste, in der der Reisende ausgestreckt liegt; belastete Kamele mit ihrem melodischen Glockengeläute trifft man weit seltener als in den anderen Teilen Nordchinas.

Die Bevölkerung ist kräftig und gut gebaut, ordnungsliebend und genüg­sam, sie zeichnet sich durch Fleiß und Ausdauer aus.

IV. Bodenerzeugnisse, Äandel und Gewerbe vor der Besetzung.

Jedes Fleckchen Erde wird ausgenützt, und durch sachliche, gartenartige Behandlung des Bodens und zweckmäßige Auswahl der Saat gelingt es den Chinesen, meist zweimal im Jahre zu ernten.

Neben einer zwcijührilien Kultnrperiode mit nahrhaft ist, nicht ganz zu. Die neu einsieführten drei Ernten findet sich eine einjährige Periode Obst- und Beerensvrten haben bei den Chinesen mit einer Ernte für den Anban von Kartoffeln grossen Anklang gefunden; die Bauern veredeln und Erdnüssen. An F-eldfrüchten werden ge- ihre Stämme unter europäischer Aufsicht, dnS Obst pflanzt: Weizen, Gerste, Hirse, Kanliang (Sorg- findet, soweit es im Schutzgebiet nicht gebraucht hnm), Sesainnin, Bohnen, Mais, Erdnuss, Hanf, wird, an anderen Plätzen der chinesischen Küste Zwiebeln, Lauch, Melonen, süsse Kartoffeln und guten Absatz. Dcx Baumbestand des Schutz- Kohl, der als Schantnngtohl sich besonderer Be- gcbietes ninfafft die Weide, Pappel, Kiefer, Zy- liebtheit bei den Chinesen erfreut, an einigen presse, Lophora.japoniea, Nrzanära earäikolia, Stellen lanch Reis. Auch die Obstzucht ist in Eiche, Pfesserbanm, Weissdvrn; die vorhandenen unserem Schutzgebiet, ivie^in ganz Schantung, gut Bestünde werden sorgfältig gegen Vernichtung ge- entwickelt, nur finden an Früchten Apfel, Birnen, schützt und durch systematische Nachpflanzungeii, Aprikosen, Kirschen, Pfirsiche, Datteln, Kastanien, vvr allem Eichen, Kiefern, Akazien, Stsrenlia, pla- Pflanmon, Jnjubcn, Granatäpfel, Walnüsse, lanil'olin, Erlen, vermehrt. Mit verschiedenen Trauben nsw. Unserem Geschmack sagt das nicht Industrie- und Nutzpflanzen sind aussichtsreiche veredelte Obst, wenngleich es sehr erfrischend und Pflanzversnche angcstellt worden.

Die i n d u st r i e l l e n Erzeugnisse der Kolonie halten sich in be­scheidenen Grenzen; sie bestehen in Anfertigung von Töpferwaren, Haus­geräten, Wollgespinsten, Zierschmuck und Handwerkszeug. Besonders zu erwähnen ist hier noch die originelle Art der Salzgewinnung aus dem Boden des sehr salzhaltigen Wattes. Das Meerwasser wird in aus­gegrabene Becken geleitet, die bei zurückkehrender Flut abgesperrt werden. Das Wasser verdunstet an der Sonne und läßt körniges Salz zurück. Eine andere Salzbereitung durch Sieden kommt im Schutzgebiete nur ausnahms­weise vor. Der Prozeß erfordert besondere Arten von Erde zur Mischung der Sole; er liefert ein wertvolleres Salz. Die Salzgewinnung bildet einen von Jahr zu Jahr wachsenden Industrie- und Handelszweig.

Viehzucht wird von der ländlichen Bevölkerung nur insofern ge­trieben, als es sich um Verwertung der Kraft und Produktion der Haustiere zur Feldbestellung handelt. Das Fleisch des Tsangkouschweines gilt in ganz China als besonders wohlschmeckend. Der Verbesserung des Viehstandes wird in neuerer Zeit hohe Beachtung geschenkt.