I. Die Erwerbung.
Kiautschou
^er Vertrag zwischen Preußen und China von: 2. September 1861, ^ durch welchen dem Königreich Preußen und den Ländern des Zoll- Vereins der Handel mit China in gleicher Weise wie England und einigen anderen Staaten erschlossen wurde, bildet den Beginn eines in kommerzieller Beziehung für ganz Deutschland hochwichtigen Zeitabschnittes. Hier bot sich ein reiches Absatzgebiet für unsere Waren, aber auch nicht minder ein großer Markt mit wertvollen Gütern zur Ausfuhr. Der deutsche Handel gewann rasch eine gewaltige Bedeutung und nimmt heute in Ostasien die zweite Stelle ein. Die stetige Zunahme des deutschen Handels ließ es schon seit geraumer Zeit wünschenswert erscheinen, einen eigenen, möglichst auch unter deutscher Verwaltung stehenden kommerziellen Stützpunkt zu erwerben. Bis zum Beginn des Chinesisch-japanischen Krieges waren die deutschen Kaufleute auf die Gastfreundschaft der eigene Niederlassungen besitzenden Nationen (meistenteils Englands) angewiesen, die ihnen übrigens auf das bereitwilligste gewährt wurde. Aber gerade jener Krieg hatte dargetan, daß es für die weitere Entwicklung unseres Handels dringend nötig sei, eigene Handelsniederlassungen zu besitzen. Die chinesische Regierung räumte damals Deutschland in den Vertragshäfen Tientsin und Hankou eigene Niederlassungen unter den gleichen Voraussetzungen und Bedingungen ein, wie sie es früher Engländern, Franzosen und Amerikanern getan hatte. Bald zeigte sich, daß der deutsche Handel seiner Bedeutung entsprechend höhere Ansprüche zu stellen berechtigt war; er bedurfte eines Platzes, der in erster Linie deutsch war und unterdeutscher Verwaltung stand, in ähnlicher Weise wie Hongkong für England den Ausgangspunkt für die englischen Handelsinteressen in Ostasien bildet. Nach gründlichen Untersuchungen schien den an einen solchen Handelsstützpunkt zu stellenden Anforderungen die Kiautschou- bucht am besten zu genügen. Diese verhältnismäßig geschützte Bucht ist selbst für die tiefstgehenden Schiffe zugänglich und hat ein als Absatzgebiet aufnahmefähiges, für die Ausfuhr aber ein namentlich an Kohlen reiches Hinterland. Gleichzeitig war hier die Möglichkeit gegeben, die zum Schutze des Handels nötigen maritimen Anlagen zu schaffen und der im Interesse des Deutschtums in Ostasien stationierten Flotte einen Stützpunkt für etwaige Operationen zu gewähren. Die Ermordung zweier Missionare in Schantung gab die äußere Veranlassung zur Besetzung der Kiautschoubucht und des umliegenden Landgebietes.
Am 14. November 1897 besetzte das Kreuzergeschwader unter Admiral v. Diederichs als Sühne für den begangenen Mord den Ort Tsingtau