Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
315
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--SAZAZZZZZLZZZLZZHZZZZZZZS Samoaliteratur. ZI 5

verfügte 1910 bereits über sieben Posthilfstellen auf Upolu und Savaii, die sich einer schnell zunehmenden Inanspruchnahme erfreuen. Auch das Orts­fernsprechnetz in Apia wächst beständig und dürfte bald weitere Ausdehnung erfahren.

Viel zu wünschen übrig bleibt noch in bezug auf die Erziehung der Jugend. Die Regierungschule zu Apia bedarf noch eines wenigstens unseren Mittelschulen entsprechenden Ausbaues; hierzu fehlt allerdings noch ein allgemeines Bedürfnis, da die Zahl rein deutscher Familien (1909 lebten fünfzig mit weißen Frauen verheiratete Weiße auf Deutsch-Samoa, mit fünfzig Kindern unter fünfzehn Jahren, davon kaum die Hälfte deutsch) noch gering ist. Die meisten deutschen Eltern schicken ihre Kinder zur Erziehung und Ausbildung nach der Heimat, nach Auckland oder Sydney. Die Regierung­schule wurde deshalb im Jahre 1908 nur von drei Weißen, aber von hundert- undzehn Mischlingen besucht. 1910 erfolgte die Eröffnung einer Regierung­schule für Eingeborene mit vierzig ungeprüften Schülern, hundertundvierzig waren angemeldet. Besser als die deutschen sind die englischen Familien durch Missionschulen versorgt. Die Londoner Missionsgesellschaft will des­halb ihr Priesterseminar zu Malua zu einer höheren Lehranstalt auch für deutsche Kinder ansbauen.

Aus alledem ergibt sich, daß unser jüngstes Kolonialgebiet trotz seiner guten Eigenschaften und trotz der Opfer, die es dem Mutterlande gekostet hat, diesem noch nicht recht ans Herz gewachsen, sondern noch allznstark dem Wohlwollen fremder Faktoren überlassen ist. Das ist sehr zu bedauern, noch mehr aber, wenn dieses stiefmütterliche Interesse daheim sogar in einer ge­wissen Samoamüdigkeit zum Ausdruck kommt. Demgegenüber kann mit aller Entschiedenheit betont werden, daß wir die Inseln als Teil des Ganzen vielleicht zu teuer erkauft haben, daß das Reich aber gerade deshalb um so mehr Anlaß hat, diesen zentralen Stützpunkt irr der Südsee festzuhalten und so auszugestalten, daß er dereinst, wenn der Panamakanal dem Weltverkehr neue Bahnen eröffnet, als ein starker deutscher Wachtposten zu dienen vermag.

V. Samoaliteratur.

Es erübrigt noch, einige Worte über die w i s s e n s ch a f t l i ch'e Er­forschung Samoas zu sagerr.

Vorweg erwähnt sei, das; der fernste Archipel eines der bestbekannten und bestbearbeiteten exo­tischen Gebiete ist. Das verdankt die Wissen­schaft in erster Reihe den grnndlegenden, ausge- zeichneten und vielseitigen Arbeiten, Studien und Publikationen dervvitsä Stakes küxploring Lx- xsüition", die unter Wilkes 1839 die Inseln be­suchte,- die Berichte früherer Reisenden Nvg- geveen, Bongainville, Lapöronse, Ed­wards sKvtzebue), Dninont d'Urville sind relativ bedeutungslos. Wertvoll, besonders in ethnographischer nnd folklvristischer Beziehung sind die Aufzeichnungen der englischen Missionare William, Powell, Turner, Pratt und Fraser, svivie der englischen Konsuln Prit- chard und Whitinee. Als Sprachforscher stehen unter den Pionieren Pratt, Whitinee und Pere Violette obenan. Der Nestor deutscher

Forschung ist vr. Ednard Grosse, der als Send­bote des HnnscS Godeffrop von 1863 bis 1867 ans Samoa weilte nnd sogar für einen Roman lIn ferner Inselwelt" von Christian Benckard) die Hauptperson abgeben musste (zurzeit Inspektor der Zoologischen Station in Triest). Den Grund­stein zu authentischen soziologisch-sprachlichen Ur­kunden lieferte der nachmalige Kvlonialdircktor vr. Stübcl, der als Generalkonsul in den achtziger Fahren eine kostbare Sammlung samoa- nischer Urtexte über Bolksagcn und Überliefe­rungen anlegte, die später im Museum für Völker­kunde zu Berlin übersetzt nnd bearbeitet worden ist. Die Krone dieser Studien und Verdienste, sowie der gesamten Leistungen streng wissenschaft­licher Forschung gebührt unbestreitbar dem Gene- raloberarzt der kaiserlichen Marine, Professor vr. Krämer, der in nnermttdlichein, opferfren-